Giesinger Erhellung

Mirjam Elsner
Luis Huber
Pino Heye
Professur
Städtische Architektur
Projektarbeit

München wächst – die Prognosen gehen von bis zu 1,8 Millionen Einwohnern im Jahr 2030 aus. Steigende Mieten, Wohnungsnot und die Frage nach Urbanitätder Stadt München prägen seit Jahren den gesellschaftlichen, wie auch den architektonischen Diskurs. Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob die Stadt noch dem gerne propagierten Image des authentischen, gemütlichen und volksnahen Weltdorfs mit Herz entsprechen kann. Auch der Stadtteil Giesing, früher abschätzig als Glasscherbenviertel bezeichnet, befindet sich im Wandel. Als kleines Bauerndorf vor der Stadt gelegen, wurde es ab Mitte des 19. Jahrhunderts eingemeindet und entwickelte sich zum dicht bewohnten Arbeiterviertel. Heute gelten Obergiesing und Untergiesing nunmehr als attraktive Wohngegenden mit entsprechend starker Nachfrage und Zuwachs.

Unser Vorschlag für ein neues Giesing sieht eine Quartier vor welches durch Dichte und Diversität geprägt wird. Eine zeilenartige Bebauung bestimmt das städtebauliche Erscheinungsbild. Wie Kompassnadeln richten sich die einzelnen Baukörper an einem unsichtbaren Magneten aus. Dabei stehen sie entlang der viel befahrenen Candidstraße und schirmen so das Gebiet von ihr ab, während gleichzeitig eine Durchwegung durch das Quartier hin zum östlich gelegenen Park am Auer Mühlbach ermöglicht wird. Die so entstehenden Zwischenraume beschreiben unterschiedlich breite Gassenräume, welche sich an manchen Stellen zu platzähnlichen Strukturen aufweiten.
Im Erdgeschoss erfolgt eine graduale Abstufung von öffentlicher zu privater Nutzung ausgehend von der Candidstraße bis zur angrenzenden Nachbarbebauung. Eine flexibel nutzbare Markthalle und ein Schwimmbad bilden zusammen mit einem kleinen Sportfeld das Zentrum des Quartiers. im südlicheren Teil werden auch im Erdgeschoss Wohnungen angeboten, die aber immer durch eine Schwelle Abstand zur durchwegten Gasse gewinnen. Bei der den Wohnungen im Obergeschoss wird durch eine Diversität der Grundrisse eine durchmischte Bewohnerschaft angestrebt.
Die Gassen und dessen Durchschreiten sind Identitätsstiftend für den Entwurf. Man findet sich im Quartier an unter schiedlichsten Situationen wieder, die fern jeglicher Monotonie liegen und trotzdem das Gefühl vermitteln an ein und dem selben Ort zu sein. Durch eine Durchmischung unterschiedlicher industriell anmutender Materialien wird die Heterogenität der Umgebung auf den Entwurf übertragen.