Windschule Skagen

Florian Seufert
Professur
Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

Östlich der dänischen Hafenstadt „Hirtshals“ erstreckt sich die „Tannis Bugt“. Die Küste verläuft an dieser Stelle parallel zur vorherrschenden westlichen Windrichtung. Damit ist die Bucht ideal für windabhängige Wassersportarten. Die elementaren kräfte des Windes, des Wassers und Sand bewegen und das Land sukzessive verändern, sind hier ganzjährig erfahrbar. In den Sommermonaten ist Jütland touristisch stark frequentiert, in den Wintermonate hingegen eher schwach besucht.
Die Wahrnehmung der Küste wird massgeblich von dem Rauschen der Wellen, des Sandes und der Gräser beherrscht. Im Landesinneren verändert sich die Umgebung, in Vegetation, Struktur und Dichte. Diese Schützen auf natürliche weise vor starken Winden, beeinflussen die auditive Wahrnehmung und die Lautstärke.

Ephemere Nutzung

Mit Fragilität ist im Kontext des Architekturkonzepts weniger eine physische Zartheit oder Zerbrechlichkeit gemeint, als vielmehr die Tatsache, dass die Architektur in einem Gleichgewicht mit ihrer Umgebung steht. In einer stimmigen Relation bettet sich das Gebäude in die Dünen ein und bitet Schutz vor den äußeren Bedingungen.
Mit Konzentration auf der Interaktion von Natur & Struktur entsteht eine Eigenart des Fragilen. Der Zeit kommt als Faktor der Veränderung über die Tages- und Jahreszeiten ebenso wie über die Dauer des Bestehens,eine besondere Bedeutung zu. Die Fragilität in zeitlicher Dimension, in welcher die ephemere Nutzung und die Veränderung der Umwelt auf eine permanente Struktur trifft. Eine Wechselwirkung von Menschgemachtem und Natureinflüssen.
Über die Vergänglichkeit der Nutzung hinaus besteht die massive Struktur. Sie steht der Natur entgegen, wird von Ihr eingenommen, bis der Mensch den Raum erneut ertüchtigt. Der in sich gekehrte Raum bitete Schutz, während das Wetter in seiner Unerbittlichkeit auf das Gebäude einwirkt.
„Wie stark der raum isoliert ist, hängt von der[…] Menge und Breite von Material ab und besitzt andererseits wiederum diese Isolationskraft in ihrer Gesamtheit einen verbindenden Charakter.“ Kazuo Shinohara über Massivität

Inneres Rauschen

Die Erfahrung des Ortes wird durch die intensive Erfahrung des „rauschens“ beim durchqueren des Hofes gestärkt. Dabei entstehen Ausblicke ohne den Schutz zwischen den Volumen zu verlassen.
Beim Betreten des Gebäudes wird der Kontrast zwischen Schutz & Exponiertheit, von Geschwindigkeit & Ruhe überdeutlich. Der äusseren Reizüberflutung folgt ein filternder Schutzraum. Er definiert sich durch Licht & Struktur. Mit dem reduzieren der Ausblicke entsteht eine spannungsvolle Inszinierung zwischen Aussen und Innenraum.
„Das eigentliche Wesen von Schutz liegt in einem Gefühl der Distanz.“
Kazuo Shinohara über Massivität
Die Räume erschliessen sich erst durch das Begehen des Gebäudes, dabei leitet das Licht Raumübegreifend eine neue Nutzung ein. Schwellen dienen als Auftakt in einen neuen Raum, wobei jeder unterschiedlich mit einem wechsel von Materialität & Licht auf die Nutzung reagiert.