stoa [schdoà]

Lukas Vallentin
Konstantin Flöhl
Professur
Bildende Kunst
Seminararbeit

Die Kunst als Sein und nicht als das was ist – oder – die Ästhetik performativer Prozesse

„Die ersten Bedürfnisse des Lebens, deren Anschaffung eine verschiedene Lebensart
erfordert, konnten […] gegeneinander vertauscht werden. Daraus mußte
Kultur entspringen, und der Anfang der Kunst, des Zeitvertreibes so wohl
als des Fleißes; […]“ (Immanuel Kant, Mutmasslicher Anfang der Menschengeschichte)

Trotz aufklärerischem Zeitgeist entspringen hier bei Kant grundsätzliche Annahmen,
deren Fortleben wohl der eterna artes entsprechen. Die Kunst als Praxis, als Bedingung
der Sättigung erster komplexer Bedürfnisse koppelt sie mit einer Realität der Handlung,
mit Eifer, Fleiß und Pragmatik. Wohlgleich man, diesen Gedanken vor allem in der Idee
der Performance wiederfindet, scheint es doch eine überzeitliche konstante im ästhetischen
Befinden des Menschen zu sein. Stoa [schdoà] widmet sich diesem Gesichtspunkt
in einer temporal überwindenden Perspektive. In einer Verschmelzung bildender Künste
in die Fassung der Performance versucht es eben jene Kunst als Praxis neu zu diskutieren.
Hierbei werden materielle und spirituelle Grundbedürfnisse, das heißt Logistik, Bau
und Rohstoffe auf der einen und Glaube sowie Ästhetik auf der anderen Seite, durch
die inhärente Pragmatik der Performance aggregiert. Die Künstler fallen aus ihrer Rolle
als Schaffer und werden zu Performern, uniformiert als Teil eines Ganzen. Die Steine
stehen als Symbol der Handlung des Raubes – eine gewaltvolle Entnahme der Kinder
Mutter Natur – doch werden sie mehr als ihre vorhergehende Substanz durch die Hinzugabe
von ästhetischer Handlung. Sie werden erfüllt, sogar erlöst, durch einen neuen
transzendentalen Wert: Der Wert der Performance. Hiermit spiegelt sich die grundlegende
Charakteristik der Kunst als Befriedigung von Bedürfnis im Handeln unserer
Performer wieder. Sie erschaffen nicht etwas neues, sie sind nicht nur der Urheber neu
konstituierter Materie, – Sie sind durch ihr Handeln die Einheiten im System der Kunst
an sich. Die Kunst ist hiermit nicht nur das was ist, sondern selbst das Sein in der Performance.

stoa
[schdoà]
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