AJA UpToDate mit: Roger Boltshauser und Prof. Florian Nagler

Im Rahmen der Architektur Jahresausstellung der TUM-Architekturfakultät sammeln wir Stimmen zu der Frage, wo in der Architektur und der Architekturlehre ein Update nötig ist.
In den „AJA UpToDates“ stellen ProfessorInnen der Architekturfakultät ihre Haltung zum Thema „Update Architektur“ in einem kurzen Statement vor.

nachhaltig – dicht – einfach. Ein Manifest

Das Bauwesen verantwortet aktuell einen Anteil von mehr als einem Drittel am globalen Ressourcenverbrauch. Der Energieaufwand für den Betrieb des Gebäudebestands nimmt aufgrund von dessen ungebremstem Wachstum weiter zu. Der Primärenergiebedarf wird nach wie vor zu fast drei Vierteln durch konventionelle, fossile Energieträger gedeckt. Diese, wie auch die meisten Baumaterialien, stehen nur endlich zur Verfügung. Das Gleiche gilt für Grund und Boden. Täglich werden Natur und Kulturlandschaft wertvolle Flächen für den Bau von Gebäuden und Infrastruktur entzogen. Die langfristige Entsorgung vieler standardmäßig verwendeter – und bauaufsichtlich zugelassener – Baustoffe ist ungeklärt. Die ständig steigenden Ansprüche, aber auch die immer anspruchsvolleren gesetzlichen Vorgaben führen zu überkomplizierten baulichen Lösungen und einer Überfrachtung von Gebäuden mit technischer Ausstattung, die Bewohner und Nutzer überfordert und deren Adaptierbarkeit und Lebensdauer zu gering ist.

Wir können unserer Verantwortung für kommende Generationen nur gerecht werden, wenn wir es schaffen, künftig so sparsam wie möglich mit Rohstoffen, Energie und Flächen umzugehen.

Daraus lassen sich folgende Forderungen für ein zeitgemäßes Bauen ableiten:

  • Reduktion des Flächenverbrauchs bei allen Baumaßnahmen in der Stadt und auf dem Land! Das heißt: Realisierung angemessener Dichte innerhalb bestehender Siedlungsstrukturen; Entwicklung von Wohn- und Arbeitsformen, die eine Reduktion der Fläche, die pro Person zur Verfügung steht, ermöglichen; Reduktion des Energieverbrauchs der gebäudestandortinduzierten Benutzermobilität.
  • Nutzung des Gebäudebestandes als Raum- und Materialressource!Das heißt: Möglichst hochwertiges Recycling von Baustoffen beim Rückbau von Gebäuden; verstärkte Hinwendung zum Umbau von Bestandsgebäuden.
  • Verwendung von Materialien, die so wenig graue Energie wie möglich verbrauchen, einfach zu recyceln sind oder wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt werden können! Das heißt: Möglichst umfangreicher Einsatz nachwachsender Materialien bzw. von Baustoffen mit guter CO2-Bilanz; vermehrte Verwendung von regional bzw. lokal verfügbaren Baustoffen.
  • Bau von Gebäuden mit möglichst geringem Energieverbrauch im Betrieb! Das heißt: Verwendung regenerativer – möglichst regionaler – Energiequellen; Berücksichtigung des regionalen Klimas; Reduktion der erforderlichen Technik auf ein unbedingt erforderliches Minimum; Verwendung architektonischer statt technischer Elemente.
  • Entwicklung von langlebigen, robusten Gebäuden, die einfach zu nutzen sind! Das heißt: Infragestellen überzogener Ansprüche; Konzentration auf das Wesentliche – auf das, was wir als Gesellschaft, aber auch als jeder Einzelne wirklich zum Leben brauchen.

Diesen Forderungen kann nur nachgekommen werden, wenn die Aspekte des Klimas vom Beginn des Entwurfsprozesses an mitgedacht werden. Wir sind der Überzeugung, dass die  Beschäftigung mit genau diesen Fragestellungen nicht nur einen Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen leistet, sondern dass hierdurch auch ein neuer, zeitgemäßer architektonischer Ausdruck gefunden werden kann.