Update Architektur

Neuanfang. Das ist für uns das große Thema 2020, nicht nur bezogen auf unser neues Ausstellungsformat. Wir möchten den Wandel der Zeit aus Sicht der Architekturstudierenden beleuchten. Was bringt das neue Jahrzehnt mit sich? Welchen Herausforderungen müssen wir uns als ArchitektInnen stellen? Wie sehr beeinflussen die verschiedenen früheren Generationen heutige PlanerInnen? Wie gehen wir mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen in der Lehre um? Sind wir UpToDate?

Im Laufe des Semesters sammelten wir verschiedenste Stimmen zu den Fragen, was ein Update Architektur bedeutet und wo wir  an der TUM-Architekturfakultät ein Update für nötig erachten. Beiträge sind u. a. Zitate aus einer Studierendenumfrage, Ausschnitte aus Interviews mit wissenschaftlichen MitarbeiterInnen (DurchDieWand), zusammengeschnittene Trailer aus Rahmenprogrammbeiträgen von studentischen Initiativen oder die DoktorantInnenpitches.

 

Was bedeutet Update in der Architektur und wo brauchen wir ein Update?

Die AJA 2020 ist in doppelter Hinsicht ein radikales Update für die Architekturfakultät der TUM. Sie ist die erste digitale Jahresausstellung und wurde zudem erstmals von Studierenden initiiert und organisiert. Die Ausstellung stellt die zentrale Fragen, welchen Herausforderungen wir uns als ArchitektInnen und PlanerInnen in der nächsten Zeit stellen müssen und wie wir mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen in der Lehre umgehen. Sind wir in dem System des Architekturunterrichts und -forschung auf dem aktuellsten Stand der heutigen Möglichkeiten? Ursprünglich war die AJA als reale und physische Ausstellung der Jahresproduktion in den Räumen der TUM und im Kunstareal geplant. Die Corona-Krise traf jedoch auch uns, sodass wir innerhalb kürzester Zeit unser Konzept auf ein Online-Format umgestalten mussten – und plötzlich wurde das Thema “Update Architektur”, welches wir bereits im Januar festgelegt hatten, aktueller denn je.

In diesem Semester haben wir ein radikales Update der Architekturlehre erfahren. Zoom war und ist die neue Begegnungsplattform innerhalb unserer Fakultät. Die Krise, die noch längst nicht überstanden ist, hat bereits deutliche Spuren in der Gesellschaft hinterlassen und stellt ArchitektInnen und PlanerInnen ebenfalls vor zahlreiche neue Herausforderungen: z.B. erlangt der private Außenraum eine neue Bedeutung, Home-Office Einrichtungen stellen Bürogebäude in Frage und medizinische Einrichtungen werden spontan und schnell benötigt. Während der Ausarbeitung unseres Konzepts stellten wir uns zugleich immer wieder die Frage “Sind wir UpToDate?” Entsprechen die Inhalte und Lehrmethoden bereits den veränderten Notwendigkeiten?

Bei der Entwicklung eines Updates für die Architektur und die Architekturlehre müssen wir konventionelle Methoden in Frage stellen und stattdessen innovative Arbeitsweisen entwickeln, die uns dabei helfen, neue Strategien zu erarbeiten. Auch wenn Updates immer mit einem gewissen Zeitaufwand, vielleicht sogar mit einem kurzen Systemausfall verbunden sind, ist es empfehlenswert, Updates regelmäßig durchzuführen, denn dadurch können Sicherheitsrisiken verringert und Beschädigungen durch Viren vorgebeugt werden.

Um den globalen Herausforderungen von heute – Klimawandel, Ressourcenknappheit, demografischer Wandel, Wohnraumknappheit und Landflucht, um nur einige zu nennen – zu begegnen, müssen wir die Architektur nicht neu erfinden. Stattdessen müssen wir uns kritisch mit ihr auseinandersetzen und die verschiedenen Bereiche unserer Disziplin – die Planung unserer Städte und Landschaften, Bauen im Bestand, Wohnungsbau und öffentliche Gebäude, Konstruktion und Materialverwendung, aber auch unser Berufsbild und die Praxis – auf Mängel und Viren im System überprüfen. Der Bewertung folgt die Beseitigung der Probleme: flächenschonende, krisenresistente Stadt- und Landentwicklung, Instandhaltung und Umnutzungen, Verwendung von nachwachsenden Materialien, Recycling, ein verändertes Berufsbild und inklusive Planungsprozesse. Sicher entstehen dabei auch neue Lösungsansätze, smarte Technologien und innovative Konstruktionsweisen, neue Gebäude und Viertel, ganze Städte. Aber größtenteils geht es darum, festgefahrene Vorstellungen und Strukturen zu überdenken und verbessern.

Die AJA bietet als neues Format der Präsentation sowohl mehr als auch weniger als die üblichen Jahresausstellungen. Mehr, weil sie sich dem digitalen Raum öffnet, sodass nun eine unbegrenzt große Anzahl an BesucherInnen auf Ausstellungsinhalte, Vorträge und Diskussionen zugreifen können. Und weniger, weil sie einem Thema folgt, also kuratiert ist und Inhalte bewusst selektiert. Bei bisherigen Jahresausstellungen stand die Präsentation der Entwurfsprojekte, sortiert nach Professuren, im Vordergrund. Das gesammelte Wissen aus Seminaren und Forschung rückte in den Hintergrund. Eine der wichtigsten Entscheidungen unseres Teams war es, die AJA nach Themengebieten zu sortieren. Wir erhoffen uns dadurch eine stärkere Vernetzung und einen Überblick dessen, wie sich verschiedene Professuren mit ähnlichen Fragestellungen auseinandersetzen und welche Antworten gefunden werden.

Sie als BesucherIn dieser Website sind dazu aufgerufen, sich kritisch mit den Inhalten unserer Arbeiten auseinanderzusetzen und eingeladen, in den Kommentarfeldern der Themenräume auf unsere Fragen zu antworten, eine eigene Position einzunehmen oder auch neue Fragen zu stellen. Wir sind gespannt auf Ihre Ideen, Anregungen und Kritik, die wir gerne für das nächste Update einbeziehen wollen.

 

AJA-Team 2020

 

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