Szene Erzberg

Katharina Wicharz
Elisa Huber
Professur
Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft
Projektarbeit

Rostrot thront der Erzberg 700 Meter über der Stadt. Seit fast 800 Jahren werden dort Erze abgebaut, und der Mensch hinterlässt eine unübersehbare geologische Spur – ein Zeichen des Anthropozäns. Welche Rolle wird der aufgerissene Erzberg in Zukunft für die Stadt Eisenerz und die Region spielen – faszinierendes Neuland oder ewig klaffende Landschaftswunde? Der Oswaldirücken gilt als das „Tor zum Erzberg“ und ist Zugang zum aktiven Bergbaugebiet. Im Rahmen eines Bachelorprojektes im 7. Semester wurde dieses Teil-Areal landschaftsarchitektonisch neu gestaltet. Die Interventionen sollten das aktuelle Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt, Industriegeschichte und Alpenidyll treffend thematisieren.

Der Oswaldi-Rücken dient aktuell als Freiluftausstellung mit Relikten der lokalen Bergbaugeschichte und als Aussichtspunkt mit Blick über den noch aktiven Tagebau. Doch trotz seiner exponierten Lage zwischen Stadt und Erzberg, kann er sein Potenzial als Vermittler zwischen den Besuchern und der Kulturlandschaft des Erzabbaus derzeit nicht ausschöpfen. Denn obwohl der Besucher von dort die Arbeiten im Erzberg beobachten und bestaunen kann, wird das Erlebnis und die dort herrschenden Emotionen noch nicht eindrücklich genug vermittelt.
Der Entwurf „Szene Erzberg“ beruht auf der Behauptung, dass die Kulturlandschaft nur dann für den Besucher fassbar und erlebbar wird, wenn die überformte Landschaft am Oswaldi-Rücken richtig in Szene gesetzt wird.
Der Entwurf greift deshalb die Eigenschaften und Emotionen des Ortes auf und bietet eine Hilfestellung als Vermittler zwischen den Polen Mensch und Kulturlandschaft. Durch einen quadratischen, die Topographie durchschneidenden und an anderer Stelle über dem Abbaukrater auskragenden Steg, wird der Erzberg in Szene gesetzt und zum unmittelbaren Erlebnis.
Dieser präzise, landschaftsarchitektonische Eingriff nimmt eine radikale Haltung gegenüber der Kulturlandschaft ein, welche durch die kompromisslose Umsetzung des Steges sichtbar wird.
Dies ist eine Spiegelung der Haltung des Menschen gegenüber der Naturlandschaft: auch dieser hat die Landschaft am Erzberg radikal zu seinen Gunsten verändert. Gleichzeitig wird aber auch ein neuer Verbindungspunkt zwischen Mensch und Landschaft geschaffen.

Perspektive mit Blick auf den Erzberg
Freising 2020, © Elisa Huber, Katharina Wicharz
Qualitäten der Kulturlandschaft
Freising 2020, © Elisa Huber, Katharina Wicharz
Verortung der Intervention
Freising 2020, © Elisa Huber, Katharina Wicharz
Lageplan
Freising 2020, © Elisa Huber, Katharina Wicharz
Schnittansicht
Freising 2020, © Elisa Huber, Katharina Wicharz