Stadt(berg)bau Augustenstraße Materiallager Stadt

Sophia Brauner
Elena Kögel
Professur
Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege
Projektarbeit

Prof. A. Hild

Assistenten: Barbara Brinkmann, Tatiany Stamatelatos, Andreas Wolf Schulze

Die Gebäudelinie der Augustenstraße wurde im Zuge des Wiederaufbaues nach dem Zweiten Weltkrieg vom Straßenrand aus um 5 m zurückversetzt. Die Gebäude, die nicht zerstört worden waren, blieben an der ehemaligen Baulinie bestehen. Heute wechseln sich zwölf erhaltene historische Gebäude an der ursprünglichen Baulinie mit 49 Gebäuden ab, die um 5 m zurückversetzt sind.

Das stetige Bevölkerungswachstum unserer Zeit führt zu einer immer größer werdenden Flächenknappheit. Vor allem in den Städten mangelt es an bezahlbaren Wohnungen; die Mietpreise steigen und der Wohnraum bleibt knapp. Neuer Wohnraum wird hauptsächlich durch Stadterweiterungen in Randgebieten geschaffen, was jedoch zu einer Zersiedelung führt und nicht mehr die gleiche städtische Atmosphäre bietet, wie das ursprüngliche Stadtzentrum selbst.
Der Entwurf beschäftigt sich mit der Nachverdichtung durch einen 5 Meter Anbau, da gerade in München die breiten Straßen genutzt werden können, um neuen Wohnraum zu schaffen.
Der Anbau erfolgt unter der Idee, des „Urban Mining“, das heißt Elemente aus der bestehenden Straßenabwicklung sollen das „Materiallager“ für den Anbau bilden: „Ressourcen von heute für die Gebäude von morgen“.

Das Entwurfsziel ist es, durch den 5 Meter Anbau die Grundrisse so zu verändern, dass mehr Wohnraum entsteht, ohne dabei die Struktur der Gebäude und deren tragende Elemente zu verändern. „Der Bestand ist unser Freund“ steht im Vordergrund der Entwurfsmaxime: Die vorhandene Bausubstanz wird bewahrt und mit einer würdigen Fassade zur Straße ergänzt.
Lichthöfe ermöglichen die Qualität des bestehenden Wohnraums zu erhalten und – ohne auf große Öffnungen in der Stadtfassade angewiesen zu sein – genügend Licht ins Innere der Gebäude zu bringen.

Hierbei ist wichtig, ein städtisches, durch Symmetrie und Regelmäßigkeit geprägtes Fassadenbild zu bewahren, das sich trotz materialbedingter Einschränkungen in das vorhandene Münchner Stadtbild einfügt und eine klare Trennung zwischen der Privatsphäre der Bewohner und des öffentlichen Lebens im Straßenraum schafft.

Um eine große Bandbreite an Materialien wiederzuverwenden und dem Prinzip des Urban Minings gerecht werden zu können, gilt es, die Herausforderungen der Fügung verschiedenster Materialien zu meistern und eine schlüssige Konstruktion zu erarbeiten.

Der Anbau steht auf geschichteten Stützen aus recycelten Natursteinplatten und wird durch Holzdecken aus alten Dachbalken ausgesteift. Die neuen Außenwände sind aus unterschiedlich breiten Holzbrettern zu massiven Wänden verdübelt. Durch ihre Masse erfüllen sie den geforderten Dämmwert. Auf den Böden fügen sich wild verlegte gebrochene Natursteinplatten zu einem Muster zusammen. Die verschiedenen Reliefs der Materialien an Wänden, Boden und Decke lassen die Bewohner eine neuartige „Materialwelt“ im Innenraum erspüren, die fast an einen italienischen Palazzo erinnert.

Die Entwicklung eines neuen Konstruktionsdetails, ermöglicht die Wiederverwendung alter Holzfenster: Die Fenster werden in der Brettschichtwand innenliegend eingebettet. Anschließend wird ein Fassadenelement auf zwei Stahlschwerter in der Fassadenöffnung gestellt und oberhalb befestigt. Dieses Element ermöglicht, trotz der unterschiedlichen Formate der alten Fenster, eine Regelmäßigkeit im Fassadenbild herzustellen.

Um das Wiederverwendete sichtbar zu machen, zeichnet sich eine umlaufende Fuge um die eingesetzten Elemente ab und trägt die Form des alten Fensters nach außen. Die neu geschnittene Öffnung prägt das Gesicht des Gebäudes zur Stadt.

Durch ein Mosaikspiel aus alten Naturstein- und Keramikfliesen, die nach dem Vorbild Josef Wiedemanns zusammengefügt werden, ergeben sich auf den Fassaden traditionelle Muster wie wir sie aus dem Münchner Stadtbild kennen. Von weitem verschwimmt alles zu einer homogenen Fläche in Pastell.

Die Modelle zum Projekt werden im Schaufenster von Carta Pura in der Schellingstraße 81 in 80799 München ausgestellt.

Axonometrie
Sophia Brauner, Elena Kögel
Schnitt Haus 57
Sophia Brauner, Elena Kögel
Grundriss Haus 57
Sophia Brauner, Elena Kögel
Dreitafelprojektion
Sophia Brauner, Elena Kögel
Innenraum
Sophia Brauner, Elena Kögel
Innenraum
Sophia Brauner, Elena Kögel