Paketpost-Campus München

Professur
Industrial Design
Projektarbeit

In den vergangenen Jahren nimmt die Debatte um die Nachhaltigkeit von Stadien stetig zu und insbesondere im Kontext der Corona-Pandemie offenbaren sich die konzeptionellen Schwachstellen. Die zunehmende Spezifizierung der Stadionbauten sowie deren Ausrichtung auf die mediale Vermarktung sportlicher Großveranstaltungen führt zur Entstehung sogenannter „Weiser Elefanten“ – also Stadien die in ihrer strukturellen Ausführung, ihrer Kapazität und ihrem Standort im Regelbetrieb nicht funktionieren und daher leer stehen. Um dem entgegen zu wirken, entwickeln Planer Lösungsansätze für das Stadion 4.0.

Einer dieser Ansätze schlägt die Integration von Stadien in den städtischen Kontext vor. Dem sonst meist monolithisch angelegten Stadionbau, wird eine Gruppierung mehrer Stadien mit verschiedenen Größen und Funktionen entgegengestellt. Der so entstehende Campus ergänzt die Sportstätten durch Einkaufsmöglichkeiten, Freizeit- und Kulturangebote. Es ergibt sich ein bunter Nutzungsmix, der zu einem alltäglich genutztem Szene-Viertel wachsen kann.

Entsprechend des Aufbaus eines Freizeitparks teilen sich die Stadien die versorgende Infrastruktur wie Sanitäranla- gen, eventuelle Eingangskontrollen und Gastronomie. Anstelle einer punktuellen Großveranstaltung, beispielsweise einem Fußballspiel oder Konzert, zu dem sich die Besucher meist nur für einige Stunden versammeln ergibt sich die Möglichkeit zur Gestaltung eines ganzen Tages vor Ort. Der Besuch muss nicht mehr an ein spezifisches Event gebunden sein, es erlaubt freies Kommen und Gehen und den Besuch mehrerer parallel ablaufender Veranstaltungen – ähnlich dem Konzept eines Musikfestivals.

Da der Campus als Stadtbaustein in den Alltag der Menschen eingebunden ist eine städtischer oder sogar innerstädtischer Lage Voraussetzung. Denkbar wäre hier vor allem die Umnutzung von innerstädtischen Flächen, die beispielsweise durch den Wegfall von Industrie frei werden oder durch ihre bisherige Nutzung nicht voll ausgelastet sind. In München bietet sich vor allem das Gelände um die Paketposthalle an.

Als markantes und unter Denkmalschutz stehendes Gebäude mit starker Identität, bildet die Paketposthalle das Herzstück des Campus. Die freitragende Betonfertigteilhalle bietet außerdem ideale Voraus- setzungen für die Nutzung als Fußballstadion und für andere Großveranstaltungen. Entsprechend des für den Campus entwickelten Stadionkonzepts, sollen sich die Besucher auch hier frei um das Spielfeld bewegen können. Zusätzlich zur Paketposthalle, soll auch die bisher als Zustellbasis genutzte Industriehalle im Westen des Geländes eine neue Funktion als Stadion erhalten – hier entsteht ein Basketballzentrum mit Innen- und Außenbereich.

Das Konzept des Paketpostcampus ist geprägt von Offenheit – um diesen Charakter auch in den sportlich genutzten Bereichen spürbar zu machen, werden neben klassischen Stadien auch frei zugängliche Sportanlagen im Außenbereich angeboten. Zwischen mehrstöckigen Gebäuden mit gastronomisch genutztem Erdgeschoss und Büroflächen im Obergeschoss, spannt sich ein öffentlicher Platz auf. Dessen Zentrum bilden zwei Amphitheater, die für verschiedene sportliche oder kultu- relle Veranstaltungen genutzt werden können.

Paketpost-Campus München
Lageplan des Campusgeländes zwischen Friedenheimer Brücke und Donnersberger Brücke
Users Journey Map
Um Leerstände zu vermeiden sollen möglichst viele Nutzergruppen angesprochen werden.
Collage Paketposthalle
Der Vorplatz der Paketposthalle wird durch Zusatzangebote belebt.
Grundriss Paketposthalle
Die Paketposthalle in ihrer Hauptnutzung als Fußballstadion
Collage Basketballzentrum
In der ehemaligen Zustellbasis der Post entsteht ein Basketballzentrum.
Collage Outdoor-Sportanlage
Sportanlagen im Außenbereich ergänzen die Stadionanlagen und beleben den Campus.