Nachhaltigkeit durch Gemeinschaffen

Emma Wilisch
Professur
Urban Design
Projektarbeit

Wir sind bereits mitten in der Klimakrise. Die Wissenschaft gibt uns noch zehn Jahre, um deren komplette Eskalation aufzuhalten. Das Einzige was uns jetzt noch retten kann ist die notwendige „große Transformation“. Aber können wir die Transformation provozieren? Und welche Rolle kann die Architektur dabei spielen? Wir haben uns und unserer Umgebung diese Fragen radikal gestellt.
Ort der Intervention war der Stadtblock zwischen Türken-, Schelling-, Amalien- und Theresienstraße. Der Block hat inneres Entwicklungspotential durch die absehbare Stilllegung des Heizkraftwerks, befindet sich aber wie die ganze Maxvorstadt in einem Gentrifizierungsprozess. Ziel war es hier eine neue Art des Zusammenlebens in und nach der Krise zu durchdenken und vom städtebaulichen Maßstab bis zum Grundriss eine zukunftsweisende Lösung zu entwickeln.

Unser Konzept Nachhaltigkeit durch Gemeinschaffen lässt sich auf drei verschiedenen Ebenen ausleben:

In der Small-Edition geht es um die kleinen alltäglichen Gegenstände und Situationen. Stellvertretend steht dafür zum Beispiel die SharingBox, welche durch unsere Bauanleitung leicht nachbauen lässt und in einem Selbstexperiment sehr gut von den Bewohnern angenommen wurde.

Die Medium-Edition bezieht sich auf die Parzelle und ihre Bewohner. Nachhaltigkeit wird hier in drei Dimensionen gelebt: ökologisch, ökonomisch und sozial. Der private Flächenverbrauch wurde durch neue Wohnkonzepte drastisch reduziert jedoch durch gemeinschaftlich genutzte Räume wieder an die Bewohner zurück gegeben. Die neuen Wohnkonzepte wurden unter Berücksichtigung der bestehenden Struktur und Typologie erarbeitet.

Die zwei Gebäude entlang der Schellingstraße werden auf Grund ihrer gleichen Bauart und des gleichen Besitzers miteinander verbunden, um eine größere Grundriss Flexibilität zu gewähren. Im ersten und zweiten Obergeschoss des Gebäudekomplexes befindet sich nun das Hotel mit neuem Konzept:
Durch das Abstufen von Aufenthaltsdauer und Privatheit werden drei verschiedene Zimmertypen geschaffen mit möglichst geringer Fläche. Das Boarding-Zimmer (privates Appartment) dient für längere Aufenthalte mit bis zu drei Monaten, das Städtetourist-Zimmer hat ein eigenes Bad und die Option die Gemeinschaftsküche mit zu nutzen. Mit dem Low-Budget-Zimmer stehen dem Gast sowohl das Gemeinschaftsbad als auch die Gemeinschaftsküche zur Verfügung. In den obersten Geschossen der Schellingstraße befindet sich das Wohnhaus. Der Bestand wurde weitest gehend erhalten und in ein genossenschaftliches Wohnkonzept mit großen Gemeinschaftsräumen umgewandelt.

Das Eckhaus steht als einziges unserer Gebäude unter Denkmalschutz. Die Bestandswände bleiben bestehen und werden nur durch neue flexible Wände ergänzt. Bei dem hier ausgeführten Konzept „Flexwohnen“ steht jedem Bewohner genau ein Zimmer zur Verfügung. Zieht ein Pärchen oder eine Familie mit Kind ein, kommt je Bewohner ein weiteres Zimmer hinzu, genauso wird ein Zimmer beim Auszug eines Familienmitglieds wieder abgegeben. Bäder und Küchen werden gemeinschaftlich geteilt oder einer größeren Familie zugeschlagen.

Die Large-Edition befasst sich mit dem gesamten Block in der Maxvorstadt und kann als Konzept auf die ganze Stadt skaliert werden. Weitere Projekte wie die Medium-Edition werden folgen und sich wie ein Netzwerk über das Viertel und die Stadt erstrecken. Durch das Teilen von Räumlichkeiten und Wissen steht den Bewohnern ein erweitertes Angebot zur Verfügung und schafft ein Heimatgefühl und Verbundenheit zur Nachbarschaft.

Innenhof Perspektive
München, 2020, Wilisch / Kunkel
Axonometrie Stadtblock
München, 2020, Wilisch / Kunkel
Grundriss Wohnkonzept
München, 2020, Wilisch / Kunkel
Dach Perspektive
München, 2020, Wilisch / Kunkel
Flexwohnen
München, 2020, Wilisch / Kunkel
Außenraum Nutzung
München, 2020, Wilisch / Kunkel