Martkhalle Maxvorstadt

Matthias Peterseim
Professur
Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

Die Markthalle ist Versammlungsort für das lebhafte Viertel Maxvorstadt und Übergangsbauwerk zwischen Stadtraum und dem als Park genutzten alten Nordfriedhof. Der rigide entwickelte Grundriss entspricht menschlichem Maßstab, harmonischen Sequenzen und komplexen Sichtbezügen. Jeder der 8 um einen Brunnenhof angeordneten Räume birgt 4 Marktstände, die in mächtiges Mauerwerk eingebettet sind. Ein einfaches Stahldach schützt vor Witterung. Alle Materialien sind sortenrein trennbar gefügt.

Die Vorstellung eines Marktes ist stärker geprägt von seinen temporär auftretenden, handelnden Akteuren, stöbernden Kunden und lebhaften Räumen als von der ständig anwesenden Struktur, die den Markt aufnimmt. Diese Vorstellung eines ein- und ausatmenden Ortes, eines Ortes mit zwei Gesichtern, hat den Entwurf geleitet. Markthallen bieten vielfältigen Sinneseindrücken wortwörtlich eine Bühne. Was hier geschieht, gleicht einem spontanen Schauspiel des Alltags. Daher geht der Mensch in dieser Öffentlichkeit nicht nur Erledigungen nach, sondern sozialisiert sich, beobachtet oder genießt die Einsamkeit in der Menge. Die Markthalle steht an der durch den Krieg perforierten Westseite des alten Nordfriedhofs. Der die Halle umgebende Platz wird schon heute als heiterer Versammlungsort genutzt. Sie ist Anker des öffentlichen Geschehens und Eingangsbauwerk, das den Zugang in den als Park genutzten Friedhof rahmt. Die archaisch anmutende Struktur der Ziegelwände ist derart konstruiert, dass sie die Handlungen des Marktgeschehens aufnehmen kann, ohne selbst in den Vordergrund zu treten. Das leichte, auskragende Dach schützt vor Sonneneinstrahlung, sowie Wind und Wetter. Auf der Höhe der vorhandenen Friedhofsmauer sind dem menschlichen Maßstab angepasste Nischen und Fenster in die Ziegelmassen eingeschnitten. Darüber erheben sich die Wände und öffnen sich weiter, um großzügig Licht in herein zu lassen. Das Innere ist durch das sanft getönte Mauerwerk und seine Öffnungen bestimmt. Die pfeilerartigen Mauerabschnitte sind in einem den Marktständen entsprechenden Prinzip um einen zentralen Hof angeordnet. Der Brunnenhof wirkt im vitalen Rhythmus der umlaufenden Räume wie eine Pause im Marktleben: Regenwasser des Daches wird im Becken aufgefangen, Wasserspender bieten die Möglichkeit, die Hände zu Waschen. Bänke im Schatten laden zu Ruhe ein. Während die rhythmischen Mauern einen Rahmen ausbilden, reflektieren die metallenen Elemente des Daches und der schimmernde Boden die farbenfrohe Welt des Marktes. Die gebauten Strukturen des Gussbodens, der Ziegelwände und des Stahldaches sind die robuste Basis für einen wandelfähigen Ort des öffentlichen Zusammenkommens. Die zusätzlichen Requisiten der Tische, Bänke innen wie außen und der Brunnen sind auf die Nutzung als Markt abgestimmt. Als eher temporäre, jedoch widerstandsfähige Möbel sind sie nicht mit den festen Strukturen verbunden und von den Wänden leicht abgerückt. Auch alle konstruktiven Elemente sind derart gefügt und verarbeitet, dass sie komplett material-rein getrennt werden können.
Die Halle als in sich ruhender Ort des öffentlichen Geschehens steht am Nordfriedhof wie eine Bühne, das einlädt bespielt und beobachtet zu werden.

Blickbezüge
Die offene Struktur erlaubt vielfältige Blicke über mehrere Räume hinweg
Stadtseite
Das Bauwerk fungiert als Mediator zwischen Stadt und Park-Friedhof
Proportionen
Dem menschlichen Maßstab entsprechend sind die Öffnungen im Mauerwerk ihrer Funktion angepasst
Marktstände
Die massiven Möbel bleiben von der Struktur abgerückt
Brunnenhof
In der rhythmischen Raumsequenz wirkt der Hof wie eine Pause
Friedhofsseite
Die geschlossenere Fassade entspricht dem ruhigen Charakter des Friedhofs