Keramikwerkstatt Nordfriedhof

Sebastian Gerstberger
PublikationProfessur
Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

In einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt finden sich immer weniger Gelegenheiten für Tätigkeiten in denen der moderne Mensch mit seinen Händen arbeitet. Diese Keramikwerkstatt soll einen Ort bieten, in dem die Bewohner der Stadt in der Sinnlichen Arbeit mit Ton Ruhe finden können. Der Alte Nordfriedhof in München bietet als Park inmitten der Stadt eine ungewöhnliche Atmosphäre. Unter den alten Bäumen des Friedhofs und zwischen den Jahrhunderte alten Gräbern findet sich eine gehaltvolle Stille, die aus der Zeit entrückt scheint. Der im zweiten Weltkrieg stark beschädigte Friedhof wurde von Hans Döllgast wiederaufgebaut, wobei Wunden der Geschichte sichtbar bleiben. Der einfache Formtypus des Gebäudes wir durch entstehende Patina im Laufe der Zeit ein wie selbstverständlich dastehender Teil dieses Friedhofes.

Zentrales Thema des Entwurfes war es, ein Gebäude zu schaffen, das offen für Veränderungen ist und so ein möglichst langes und vielseitiges Leben haben kann. Dazu wurde der Entwurf nicht als geschlossenes Werk betrachtet, sondern als eine Zusammensetzung verschiedener Ebenen, die unterschiedlich schnellen (Alterungs)prozessen unterworfen sind und daher unabhängig voneinander repariert oder verändert werden können. Der langlebigste Teil des Gebäudes ist die Tragstruktur. Sie besteht aus hoch dimensionierten Holzträgern, die durch gefräste, biegesteife Verbindungen ohne Metall oder Klebstoffe verbunden werden und dadurch besonders langlebig werden. In der traditionellen japanischen Architektur, an die diese angelehnt sind, bestimmen die geraden Schnitte einer Säge die Form der Konstruktion. Genauso verhält es sich hier. Eine CNC-Fräse ist besonders gut dazu geeignet, präzise runde Formen zu schneiden, kann mit ihrem runden Fräskopf jedoch keine Innenecken in 90° Winkel schneiden. Daher wurde das Oval zur bestimmenden Form für die Knotenpunkte. Die Bieberschwanzziegel auf dem Dach können einzeln ausgetauscht werden und die Fassade ist nicht mit der Tragstruktur des Gebäudes verschränkt und kann somit repariert und verändert werden.Technologie ist im Schnitt alle 10 Jahre veraltet. Daher sind Licht und Strom an Schienen von der Decke abgehängt und können ohne Eingriffe in die Struktur getauscht werden. Die abgeschlossenen Räume der Werkstatt schließen nicht an die Decke an, so dass der Raumplan immer wieder an die Bedürfnisse neuer Nutzer angepasst werden kann.