FSH Festspielhaus Bayreuth – Neugestaltung der Infra

Professur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Projektarbeit

‚Wenn ich jetzt … den Plan des im Aufbau begriffenen Festtheaters in Bayreuth erläutern will, glaub ich hierzu nicht zweckmäßig vorgehen zu können, als indem ich auf die zuerst von mir gefühlte Nötigung, den technischen Herd der Musik, das Orchester, unsichtbar zu machen, zurück-greife; denn aus dieser einen Nötigung ging allmählich die gänzlich Umgestaltung des Zuschauerraumes unseres neueuropäischen Theaters hervor.‘

Richard Wagners Ausführungen über die Wirkung und Funktion des Festspielhauses (in: Sämtliche Schriften und Dichtungen in 14 Bänden, Leipzig, o.J.)

Das Richard-Wagner-Festspielhaus auf dem „Grünen Hügel“ Bayreuths ist der Prototyp eines schmucklosen, einzig nach funktionalen Gesichtspunkten errichteten Opernhauses und in seiner Entstehungsgeschichte einmalig: Zunächst für nur eine einzige Vorstellungszeit geplant und er-richtet, wird 1872 der Grundstein gelegt und 1876 Eröffnung gefeiert. Die architektonische Planung ist gänzlich der Vermittlung der Wagner‘schen Ideensphäre unterworfen: Es geht um die Überschreitung der endlichen Wirklichkeitserfahrung hin zu einer Unendlichkeit der Idee; die des Gesamtkunstwerks. Wagners neue Mythologie basiert vollkommen auf seiner Musik und seiner Auffassung nach konnte keine architektonische Hülle diesen Mythos fassen. Es entstand also kein repräsentatives Bauwerk, sondern eine schlichte Backsteinfassade, dafür eine große, mit neuester Technik ausgerüstete Bühne, ein schmuckloser, amphitheatralischer Zuschauerraum und ein unsichtbar versenktes Orchester.
Charakteristiken des antiken Amphitheaters werden in den Grundzügen übernommen und in der Anordnung mit den Gesetzmäßigkeiten der Perspektive zu einer neunen Form des mystischen Theaters weiterentwickelt, um eine ‚unvergleichliche Wirkung im Verhältnis von Zuschauer und szenischem Bild‘ zu erzeugen. Es gibt die theatralische Kirche – es gibt das sakrale Theater!

Das Festspielhaus wurde auch in den Folgejahren mit Spielzeiten belegt und über die Jahre zu einem dauerhaften Ort für Wagners Inszenierungen. Der ursprünglich temporäre Charakter des Hauses wurde durch Anbauten, Umbauten und Nebengebäude weiter verstetigt. Der Bedarf an Probeflächen, an Werkstätten und Versorgungsbauten führte dazu, dass sich ein Sammelsurium an Baukörpern um das Festspielhaus gruppiert; aus dem momentan notwendigen Raumbedarf heraus gedacht und ohne grundlegendes räumliches Konzepte für den Grünen Hügel. Eine schlichte Bedarfsmotivation für immer neue Baukörper wurde hier Jahrzehnte verfolgt. Die gewachsenen Situation soll neu überdacht werden, die Provisorien durch solide Probebühnen er-setzt, die Produktionswelt um das historische Festspielhaus neu geordnet werden.
Das ist die Situation, mit der wir uns in dem Semester befassen wollen. Das Festspielhaus liegt nördlich der Bayreuther Innenstadt, außerhalb des städtischen Gefüges und isoliert auf einer Anhöhe. Es soll, auf der Grundlage einer gründlichen Analyse der Aufgabe, zunächst eine eigene Interpretation dieses Ortes erarbeitet werden, der die speziellen Rahmenbedingungen und räumlichen Bezüge herausstellt. Den großartigen, kulturell bedeutenden Ort prägt eine eigene Typologie. Erarbeitet und zur Diskussion gestellt werden sollen Konzepte und konkrete bauliche Maßnahmen.

Festspielhaus Bayreuth um 1900
Festspielhaus Bayreuth um 1900
Historische Aufnahme der Auffahrtsallee zum Grünen Hügel
Historische Aufnahme der Auffahrtsallee zum Grünen Hügel
Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses
Zuschauerraum des Bayreuther Festspielhauses
Versteckter Orchestergraben
Versteckter Orchestergraben
Probebühnen
Probebühnen
Südliche Ansicht des Bayreuther Festspielhauses
Südliche Ansicht des Bayreuther Festspielhauses