Ehemals Armeemuseum – heute Staatskanzlei

PublikationProfessur
Tragwerksplanung
Forschungsarbeit

Wie kaum eine andere Kriegsruine hat das ehemalige Armeemuseum am Hofgarten die Gemüter von Politik und Gesellschaft bis in die späten 1980er Jahre bewegt. Es wurden Debatten darüber geführt, ob das beschädigte Gebäude vollständig abgerissen und durch einen Neubau ersetzt oder aber erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden sollte. Heute beherbergt der Bau die bayerische Staatskanzlei und bildet wie bereits vor über 100 Jahren den selbstverständlichen östlichen Abschluss des Hofgartens. Die Hintergründe seiner bewegten Geschichte sind dagegen etwas in Vergessenheit geraten. Dabei sind die Historie und insbesondere die zwischen 1903 und 1905 zur Ausführung gebrachte Bautechnik absolut außergewöhnlich. Bei der Rundkuppel über dem Zentralbau handelt es sich um eine zweischalige Konstruktion aus bewehrtem Beton.

In München wurden zwischen 1890 und 1918 zahlreiche unbewehrte und bewehrte Kuppeln aus Beton errichtet. Viele dieser Konstruktionen existieren bis heute. Der Verfasser konnte einige Konstruktionen untersuchen und dokumentieren. Bisher unveröffentlichte Pläne und statische Bemessungen wurden eingesehen und analysiert.
Es sind drei Typen von Kuppelkonstruktionen aus Beton zu unterscheiden. Der erste Typ ist die unbewehrte Massivkuppel, die hinsichtlich ihres Tragverhaltens ähnlich wie eine gemauerte Kuppel betrachtet werden kann. Der zweite Typ ist das innovative frühe Schalentragwerk, das von dem Ingenieur Emil Mörsch nach dem Vorbild der Schwedlerkuppel geplant und realisiert wurde. Schließlich ist die bewehrte Rippenkuppel mit und ohne opake Feldfüllung zu nennen. Die chronologische Entwicklung fand innerhalb nur weniger Jahre statt.
Insbesondere die Bautechnik der dünnwandigen Kuppeln, von denen zwei in München errichtet wurden, ist absolut außergewöhnlich. Bei den meisten Kuppeln handelt es sich um zweischalige Konstruktionen. Die Durchmesser betragen bis zu 22 m. Die Schalen besitzen jeweils eine Dicke von wenigen Zentimetern zzgl. evtl. vorhandener Rippen. Die Filigranität dieser Massivkonstruktionen war zur Zeit der Errichtung unübertroffen und versetzt noch heute in Staunen.
Ebenfalls erstaunlich sind die statischen Überlegungen, die den Ausführungen zugrunde lagen. So konnte für die Kuppel über der heutigen Staatskanzlei eine statische Bemessung aufgefunden werden, auch die Einwirkung auf das Tragverhalten durch die Laterne zum Gegenstand hatte.