Come Back – Schwabings grüner Faden

Viktoria Hieber
Professur
Städtische Architektur
Projektarbeit

Bis 1992 fanden im Hertie-Hochhaus und der dazugehörenden Brauerei regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen statt. Nach dem Abriss des Hochhauses gab es vereinzelte Events im Kino, welches mittlerweile geschlossen wurde. Danach entstand eine öffentliche Diskussion über mögliche Umnutzungen und die Notwendigkeit eines Bürgersaals für Schwabing. Durch die Umgestaltung des bestehenden Karstadt-Gebäudes mit verschiedensten Nutzungen für Jung und Alt kann die öffentliche Bedeutung des Ortes zurückerobert werden. Außerdem bieten die alten Hochhausfundamente die Möglichkeit, einen Wohnturm mit der ursprünglichen Gebäudekubatur, im Sinne der Münchner Geschichte, zu errichten. Durch die stetig wachsende Bevölkerung Münchens und die Wohnungsnot erscheint diese Lage in Mitten Schwabings als ein perfekter Standort für neue Wohnungen.

Die gegenseitige Belebung der öffentlichen Bereiche und der Wohnnutzung gelingt durch Schwabings Grünen Faden, ein bepflanztes Band, das vom Eingang durch das Gebäude und alle Geschosse bis hinauf zur Rooftop-Bar führt. Dieses Grüne Band beginnt am Eingang des Gebäudes mit dem großen Foyer, dem Foodcourt, Markt und Eingang zum Kino im Nord-Westen. Danach führt es über großzügige Treppen und bepflanzte Lichthöfe vorbei an der Start-Up-Welt, die zum Inspirieren und Einkaufen einlädt und viel Raum für neue Ideen bietet, am Shared Office und Co-Working-Space, der für jede und jeden Selbstständigen und kleine Büros einen Platz bietet hinauf ins Freizeitgeschoss mit Fitness-Geräten, Basketballhalle und Kletterhalle, sowie zweistöckigem Bürgersaal inklusive gemeinsam genutzter Bar. Im 5. Obergeschoss befindet sich die Kinderkrippe mit vier Gruppen- und Ruheräumen und einzigartigem Dachgarten als Außenspielfläche. Das Highlight bildet die Rutsche über das grüne Band hinweg nach unten ins Erdgeschoss. Den Dachgarten und die Winterbar, sowie ein Volleyballfeld, Tischtennisplatten und das Ziel der Außenkletterwand erreicht man im 6. Obergeschoss.
Ab hier beginnt der Grünzug sich an der Außenseite des Gebäudes als Terrassen und Gemeinschaftsflächen, die mit Treppen verbunden sind, um das Hochhaus zu wickeln. Die verschiedenen Wohnungstypen bieten jeder Lebenslage die passende Wohnung. Von Single 2-Zimmer-Wohnungen bis Senioren-WG 5-Zimmer-Maisonette-Wohnungen mit Option zur Barrierefreiheit ist für jeden etwas dabei. Den krönenden Abschluss der Stadt in der Stadt bildet die Rooftop-Bar über den Dächern Münchens mit 360° Rundum-Blick. Die Fassade des Sockelbaus passt sich an die innenliegenden Nutzungen mit drei verschiedenen Varianten an. Eine Variante besteht aus Fenster und Sonnenschutz, eine weitere aus Fenster und Holzlamellen, nach historischem Vorbild der Originalfassade von Franz Hart und die dritte aus geschlossenen, mit Sichtbeton verkleideten Elementen. Die Fassade des Wohnturmes setzt sich aus Pfosten-Riegel-Konstruktion und vorgehängten Beton-Fertigteilen zusammen. Um ein einheitliches und zusammengehörendes Fassadenbild zu erzeugen, liegt eine Gliederung aus Betonfertigteilen über dem gesamten Gebäude.
Schwabings Grüner Faden ist der moderne Nachfolger des legendären Hertie-Hochhauses und bietet der Bevölkerung einen neuen, attraktiven und erlebnisreichen Ort, an dem man sich gerne trifft.

Das grüne Band im Wohnturm
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann
Visualisierung im städtischen Kontext
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann
Foyer
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann
Grundriss 5. Obergeschoss (Freizeitgeschoss)
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann
Blickbeziehung Boulderhalle und Kindergarten
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann
Regelgrundrisse Wohnturm
München 2020 © Viktoria Hieber & Anna Trautmann