Aufstocken mit Holz | Nachverdichtung in Wien

Simon Öckl
Professur
Entwerfen und Holzbau
Projektarbeit

Die Stadt Wien fördert und treibt den sozialen Wohnungsbau seit Jahrzehnten
stark voran. Das Schaffen von Wohnraum durch vertikales Nachverdichten wird
aufgrund der schwindenden Bauplätze eine zwingende Notwendigkeit. Infolgedessen
wird am Brunnweg in Wien eine Blockrandbebauung aus den 1960er Jahren
in Holzbauweise aufgestockt.

Der klar geschnittene Baukörper setzt sich wie ein neues Dach auf das bestehenden Gebäude und verleiht diesem wieder eine höhere städtebauliche Präsenz innerhalb der Straße und des Viertels. Hofseitig springt die Aufstockung im ersten Geschoss zurück und stellt einen harmonischen Übergang von Alt zu Neu her. Das Mansarddach betont die scharfen Schnittkanten der Form und ermöglicht eine deutlich bessere Belichtung des Innenhofes. Die Photovoltaikfassade wird wie ein Mantel über das Gebäude gestülpt und unterscheidet sich durch gefärbte und sandgestrahlte Deckglasplatten von herkömmlichen PV-Paneelen. Diese gewährleisten auch bei diffusem und indirektem Licht eine dennoch hohe Energieeffizienz.
Dadurch wird die Aufstockung energieautark und speist bestenfalls in das Stromnetz des Bestandsgebäudes ein. Das Konzept der Leasingfassade gewährleistet, dass nach einigen Jahren die alte PV-Fassade durch effizientere und moderne Paneele ausgetauscht werden kann. Dies ermöglicht nicht nur die Erhaltung eines hohen Energiestandards, sondern auch das Verändern des Erscheinungsbildes des Hauses. Da die Module in einem breiten Spektrum an Oberflächen und Farben hergestellt werden.
Um den Eingriff in den Bestand möglichst gering zu halten, wird die bestehende Erschließung vertikal in die Aufstockungsgeschosse erweitert und um einen neuen Doppelladeraufzug ergänzt. Die monotone Wohnungsdurchmischung im Altbau wird durch eine vielseitige Wohnungstypologie der Aufstockung aufgelockert. Ein hofseitig orientierter Laubengang im ersten Aufstockungsgeschoss ermöglicht
viele kleine Wohnungen, die als Raummodule vorgefertigt werden. Im zweiten Geschoss ändert sich die Typologie von der Gangerschließung zum Spänner. Damit können dort größere Wohnungstypen wie Familien- oder gemeinschaftliche genutzte Wohnungen geschaffen werden. Die gemeinsamen Dachterrassen sowie der südwestlich gelegene Gemeinschaftsraum führen die neuen und alten Bewohner
zusammen. Diese Ausschnitte springen jeweils vom ersten in das zweite Geschoss und bilden dadurch einen dynamischen Rhythmus im straßenseitigen Fassadenbild.
Die Eingangsbereiche erhalten eine neue Überdachung und bieten einen neuen Zugang in den Keller. Dieser wird um einen großzügigen Fahrradraum mit Werkstatt erweitert. Der weitläufig angelegte Innenhof bietet ebenfalls hohes Potenzial zur Nachverdichtung. Infolgedessen wird der dort situierte Parkplatz durch eine neue, aufgeständerte Überbauung in Holzbauweise ergänzt. Dort entstehen neue Wohnungen
für Studenten in einem experimentellen „Sharehousecluster“.