7 Narren–Kulturelle Aktivierung von öffentlichem Raum

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Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

„Es ist schön, im Wald spazieren zu gehen; es ist genauso schön, an einem städtischen Boulevard zu sitzen und Zeitung zu lesen, aber es ist schrecklich, im Abstandsgrün umherzuirren, wenn man aus der Wohnung getrieben wird.“
– Klaus Theo Brenner in Heterotope

Mit der Implantation architektonischer Elemente als identitätsstiftende Faktoren, soll das Potenzial von objekthaften Kleinstarchitekturen im öffentlichen Raum ausgelotet werden, deren Aufgabe es ist, die Akzeptanz und Wiedereinnahme bracher Stadträume durch die Bevölkerung zu fördern. Es besteht die Chance einer kulturellen Nachverdichtung an bisher nicht beachteten, ungenutzten oder verschwendeten Räumen.

Oft entstehen Projekte aus Unmut heraus. In diesem Fall ist es der Unmut über den derzeitigen Aggregatszustand des öffentlichen Raums in München. Der Unmut über die Erkenntnis, dass der öffentliche Raum, ausgenommen einiger Zentren, zum reinen Transit- und Abstellraum verkümmert ist.
Im Zuge dieser Arbeit soll das Potential von Architekturinterventionen im öffentlichen Raum ausgelotet werden. Diese nehmen sich zur Aufgabe, die Akzeptanz und Wiedereinnahme des öffentlichen Raums in der Bevölkerung zu fördern. Es besteht die Chance einer kulturellen Nachverdichtung an bisher nicht beachteten, ungenutzten oder gar verschwendeten Räumen.
Auf der Grundlage von 102 im Münchner Stadtraum ausgemachter und in einem Katalog dokumentierter Räume, werden 7 Kategorien unterschieden, die sich hinsichtlich ihrer Identität, ihrer materiellen Beschaffenheit und ihrem Grad an Anonymität unterscheiden. Für exemplarische Situationen jeder Kategorie wird ein architektonischer Narr entworfen, der zwischen dem identitätsstiftenden Charakter einer andersartigen und autonomen Akupunktur und der Verortung im städtischen Kontext verhandelt. Die 7 Narren sind aus einer spezifischen Nutzung heraus entwickelt und als Stahlkonstruktionen entworfen. Sie stehen als »Stadttribüne«, »Stadttreppe«, »Stadtspeicher«, »Stadtgarten«, »Stadtküche«, »Stadtregal« und »Stadtbühne« in bewusstem Gegensatz zu ihrem Umfeld. Sowohl auf formaler, als auch auf materieller Ebene, strahlen die Entwürfe eine Robustheit aus, die sie unabhängig vom Stadtraum erscheinen lässt und ihre Alltagstauglichkeit unterstreicht.

7 Narren
München, 2020 © Jonas Hamberger
102 Räume in München
München, 2020 © Jonas Hamberger
#24 Stadttreppe
München, 2020 © Jonas Hamberger
#33 Stadtspeicher
München, 2020 © Jonas Hamberger
#33 Stadtspeicher
München, 2020 © Jonas Hamberger
#87 Stadtbühne
München, 2020 © Jonas Hamberger