Vom Gründerzeithaus zum Gründerhaus

Leah Würschinger
Professur
Entwerfen und Konstruieren
Projektarbeit

Das leerstehende Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit ist eines von drei Gebäuden in der sächsischen Kleinstadt Adorf, für welches im Dialog mit den Bürgern neue Nutzungskonzepte erarbeitet wurden. In Zeiten, in welchen Großstädte für viele Menschen vermehrt zu eng, zu homogen und zu teuer werden und ortsungebundenes Arbeiten durch den digitalen Wandel zunehmend leichter wird, gewinnt der ländliche Raum an Attraktivität. Besonders Städte, die unter dem demografischen Wandel leiden, könnten diesen Trend zu ihren Gunsten nutzen. Der Entwurf sieht vor, einen denkmalgeschützten Klinkerbau in Adorf in ein Gründerhaus für kreative Existenzgründer aus der Großstadt umzuwandeln. Dafür soll der Bestand, welcher hierfür bereits viel Potential mitbringt, nur behutsam angetastet und mit gezielten Eingriffen aufgewertet werden.

Das leerstehende Gebäude stammt aus der Gründerzeit und wurde um 1900 als Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Es handelt sich um ein typisches Mietshaus mit Laden im Erdgeschoss und einer an das Haus angebauten Werkstatt im Innenhof. Der Laden und die Werkstatt sind lange Zeit von einem Buchbinder betrieben worden. Was das Haus besonders macht, ist zum einen die gut erhaltene, auffallend ausdruckstarke und schmuckvolle Klinkerfassade mit sehr städtischem Charakter. Zum anderen ist die Typologie des Wohn- und Geschäftshauses interessant – besonders in Zeiten, in denen Arbeiten und Wohnen wieder mehr vermischt werden. Das Ladengeschäft im Erdgeschoss mit seinem öffentlichen Charakter, die Werkstatt im Hinterhof, sowie die Wohnungen im Obergeschoss bieten viel Potential für eine Nutzung, die gemeinschaftliches Wohnen und Arbeiten verbindet. Mit lediglich subtilen Eingriffen in die bestehende Bausubstanz ließe sich das Gründerzeithaus in ein Gründerhaus für junge Kreativunternehmer umwandeln.
Die oberen Geschosse bleiben dabei in ihrem jetzigen Layout weitestgehend erhalten und sollen von Wohngemeinschaften bewohnt werden. Das Erdgeschoss wird in einen offenen, hellen und variabel nutzbaren, gemeinschaftlichen Arbeitsbereich verwandelt, welcher flexibel umgenutzt werden kann. Das ehemalige Werkstattgebäude im Innenhof wird weiterhin als solches verwendet und soll mit 3D-Druckern und CNC-Fräsen ausgestattet werden.
Für Adorf könnte das Haus ein kreativer und belebter Ort werden, an dem junge Menschen aus Adorf und von außerhalb gemeinschaftlich Wohnen und Arbeiten.

Ort für Existenzgründer
Collage
Gemeinschaftlicher Arbeitsbereich Erdgeschoss
Modellfoto
Wohngemeinschaft Obergeschoss
Modellfoto
Arbeiten im Hinterhof
Visualisierung
Grundriss Erdgeschoss
Plan
Grundriss Obergeschoss
Plan