Oszillierende Räume

Lavinia Wagner
Professur
Raumentwicklung
Projektarbeit

Die Entwicklungen im Zuge der Corona-Pandemie und die mit ihr verbundenen Maßnahmen wie ‚Physical Distancing‘ und ‚Working From Home‘ verändern wie wir arbeiten, leben, uns bewegen, wie wir produzieren und konsumieren. Obwohl diese Bereiche und deren räumliche Ausprägung sich bereits durch die Digitale Transformation im Wandel befinden, sind Ausmaß und Geschwindigkeit der jetzt eingetretenen Veränderungen von einer neuen Dynamik. In einem interdisziplinären ‚Research Studio‘ erkundeten Studierende des Masters Architektur zugleich forschend und entwerfend, wie sich diese Entwicklungen auf den urbanen Raum, und auf dessen Eigenschaften in Bezug auf Kreativität, Vielfalt und Austausch auswirken. Mit Methoden aus Research und Design wurden Hypothesen konzipiert und urbane Prototypen und Szenarien plausibilisiert und getestet.

Diese Arbeit über oszillierende Räume befasst sich mit Nutzungsüberlagerungen und -Veränderungen im Strassenraum, sogenannten Oszillationsräumen und deren Potenzial, Strassen in öffentlichen Raum zurückzuverwandeln. Angestossen von den aktuellen Entwicklungen um Pandemie und Klimakrise muss neu darüber nachgedacht werden wie Städte ein zukunftsfähiges Konzept bleiben. In Zeiten in denen Menschen viel Zeit Zuhause verbringen, das gegenwärtige Mobilitätsverhalten neu in Frage gestellt wird und Abstandregeln das menschliche Miteinander prägen, verschärft sich die Konkurrenz um öffentlichen Raum in der Stadt. Dabei gewinnt vor allem Straßenraum in dichten Zonen erhöht an Bedeutung. Freizeitaktivitäten im Freien erweisen sich als besonders pandemietauglich. Gleichzeitg sind die Ausweichmöglichkeiten in den Freiraum für Menschen in kleinen Wohnungen beschränkt. Damit aus der Pandemie keine „Anti-Urban-Crisis“ wird, muss über die menschenfreundlichere Nutzung von Strassenraum nachgedacht werden.
Den Ausgangspunkt bilden die Beobachtung und Dokumentation von verändertem Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum zu Beginn der Coronabedingten Kontaktbeschränkungen Mitte April. Die Dokumentation wurde ergänzt durch Literaturrecherche zu den Auswirkungen der Kontaktbeschränkung in ihrer räumlichen Dimension. Im Fokus standen dabei vor allem die Folgen des beschleunigten Wandels in der Digitalisierung von Arbeit und Handel. Aufbauend auf der Rechercharbeit wurden mithilfe von Szenarien mögliche Auswirkungen auf die Zukunft getestet. Anhand der daraus resultierenden Erkenntnisse wurden mögliche und wünschenswerte Voraussetzungen für die nähere Zukunft erarbeitet. Diese bilden die Grundlage für die Erarbeitung eines prototypischen Konzepts zur Transformation von Strassenraum zu Lebensraum.
Das Schlüsselelement des erarbeiteten Konzepts sind die Oszillationsräume und die Frage, wie diese entstehen und funktionieren können. Ozillationszonen entstehen in mehreren Phasen und erweitern sich im Laufe der Zeit räumlich und zeitlich. Oszillationsräume als Bauteile der Oszillationszonen entstehen in Beteiligung der umliegenden Geschäfte, Lokale und Büros. diese sind zugleich Nutznieser und Ermöglicher des Konzepts. Die „Oszillationsraum-Koordination“ ermittelt die Bedürfnisse der verschiedenen Anwohnergruppen und fungiert als Schnittstelle zwischen Stadt, Nutzern und Betreibern. Am hypothetischen Beispiel der Augustenstraße wird illustriert, wie unterschiedlich Oszillationsräume aussehen können. Ein wachsenedes Patchwork aus kleinen Interventionen ergänzt sich zu einer Stadt deren Straßen Lebensqualität bieten.

Oszillationszone Augsustenstrasse
©️ Lavinia Wagner
Oszillationszone Augsustenstrasse
©️ Lavinia Wagner
Oszillationszone Augsustenstrasse
©️ Lavinia Wagner
Oszillationszone Augsustenstrasse
©️ Lavinia Wagner
Oszillationszone Augsustenstrasse
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Definition und Typen von Oszillationsräumen
©️ Lavinia Wagner