Landschaft wird Hotel

Professur
Entwerfen und Holzbau
Projektarbeit

Es sollte ein Landschaftshotel am norwegischen Lysefjord erdacht werden.Die Landschaft ist dort so unberührt, wie an wenigen anderen Orten in Europa. Die Landschaft als Kontext für Architektur stellt die besondere Herausforderung dar. Es galt vertraute Bauweisen zu überkommen und die Beziehung von Landschaft und Architektur zu ergründen. Wie und was bauen wir in einer gänzlich unkultivierten Umgebung am Hang eines Fjords?
Das Herz des Projektes ist der Stein. Er ist der allgegenwärtige Untergrund. Also verwenden wir diesen auch, denn wir müssen keinen Boden auf einen vorhandenen Boden bauen.

Die Architektur entwickelt sich aus dem Prozess. Der Abbau des Gesteins am Bauplatz, die Weiterverabeitung, der Abtransport zu Pferd zum zweiten Bauplatz am Hafen. Durch diesen Prozess geht das Gebaute eine Bindung mit dem Ort ein und belässt dem Ort seinen Charakter.

In der bereits kultivierten Umgebung am kleinen Hafen von Songesand entsteht eine behutsame Ergänzung zu den gebauten Strukturen. Ein Haupthaus und ein Badehaus stellen die nötige Infrastruktur für die Gäste zur Verfügung. Die beiden Gebäude werden an bestehenden Bauplätzen errichtet. Die Sockel werden größtenteils aus den abgebauten Bruchsteinen der Schlafplätze neu aufgeschichtet. Die Häuser entstehen im Blockbau und folgen beide dem gleichen, in Längsrichtung dreigeteilten Aufbau. Grundriss und Tragwerk bestimmen sich gegenseitig. Die längsgerichteten Wandstrukturen ziehen sich bis in den Dachstuhl, wo sie in Pfetten übergehen. An beiden Enden des Haupthauses befindet sich ein „Stue“, eine Stube mit Kaminofen. In der Mittelzone befinden sich die dienenden Funtionen, sowie ein Obergeschoss mit einem kleinen Matratzenlager und einem Privatraum für den Wirt.

Es entstehen sechs Schlafpavillions auf dem Grundstück oberhalb des Lysefjords. Das Baumaterial für die Wände wird dem Bauplatz entnommen. Der Boden ist schon da. Das Innere des jahrmillionen alten Gneis wird erfahrbare Oberfläche. Dabei entstehen durch das Aussägen drei Plateaus unterschiedlicher Größe, die den Raum zonieren. Die glatten Schnittflächen sind der Boden. Auf den unebenen, von Gletschern geschliffenen Stein werden die Bruchsteine zu einem Trockenmauerwerk aufgeschichtet. Zentraler Bestandteil des Pavillons ist der ‚warme Monolith‘. Ein 2,5 x 2,5 Meter großer Menhir wird in vier Blöcken aufgerichtet. In ihn wird die Feuerstelle eingeschnitten, die Raum und Gestein erwärmt. Der Innenraum existiert nur, wenn die hölzernen Schiebe- und Schwenkelemente bewegt werden. Die Fugen werden mit dichten Rosshaar-Borsten an den Tür-Elementen gegen Luftzug abgedichtet. Das Innere des Gesteins liegt außen, das Äußere Innen. Wo ist Innen, wo Außen? Wo ziehe ich meine Stiefel aus?

Walk the Land | Architektur als Prozess
Bei einem 'walk the land' vor Ort wurde der Stein als wesentlicher Charakter identifiziert
Lageplan | Bauplätze
Für das Haupthaus und das Badehaus werden Bauplätze verfallener Gebäude reaktiviert
Das Haupthaus | Das Badhaus
Die beiden Gebäude folgen der traditionellen Blockbauweise norwegischer Bauernhöfe
Grundriss Haupthaus | Badehaus
Die beiden Gebäude sind strukturell gleich aufgebaut
Der Schlafplatz
Jeder Schlafplatz bekommt einen individuellen Charakter, den seines Bauortes
Grundriss | Konstruktion Schlafplatz
Die Öffnungsflügel und Klappen werden mit dichten Pferdehaar-Borsten gegen Luftzug abgedichtet