Jugendhaus am Alten Südfriedhof

Hannah Hribek
Professur
Entwerfen und Holzbau
Projektarbeit

Projektarbeit 2. Semester. Lehrstuhl Prof. Kaufmann. Ein Treffpunkt für Jugendliche sollte entstehen, im Glockenbachviertel in München, direkt am Alten Südfriedhof. Friedhof und Jugendhaus, zwei Orte, die sich offensichtlich nicht so einfach verbinden lassen, insbesondere, wenn das Baugrundstück direkt von der denkmalgeschützten Friedhofsmauer flankiert wird. Umso mehr haben wir es uns daher zur Aufgabe gemacht, ein sensibles Konzept zu entwickeln, welches der besonderen Verantwortung an diesem Ort gerecht wird, gleichzeitig jedoch Raum zur Entfaltung heranwachsender Menschen bietet.

Es geht um Angemessenheit, Würde, Pietät. Werte, die man nicht gerade mit einem Jugendhaus in Verbindung bringen würde. Und doch scheint der Umgang damit an diesem besonderen Ort notwendig. Denn das Charakteristikum dieses Ortes ist die denkmalgeschützte Friedhofsmauer, welche die gesamte Längsseite des keilförmig zusammenlaufenden Grundstückes säumt.
”In Form und Formensprache” war unser Leitsatz, nach dem wir den Charakter dieser Mauer in unserem Entwurf zu interpretieren und in dessen Raumkomposition auf die direkte Nachbarschaft des Friedhofs auszurichten versucht haben.
In seiner äußeren Ausstrahlung soll sich das Jugendhaus betont ruhig und unauffällig neben dem Friedhof einfügen, gleichzeitig jedoch im Innenraum die Kreativität und den Tatendrang junger Menschen repräsentieren und fördern.
Konzeptionell haben wir ein Pendant der Friedhofsmauer in Höhe und Machart der gegenüberliegenden Seite des Grundstückes hinzugefügt, wodurch sich im Zwischenraum der beiden Wände ein Raum öffnet – ein Refugium für Jugendliche zu ihrer freien Gestaltung, abgegrenzt von Eltern, Schule und misstrauischen Blicken von außen. Dieser Innenraum bezieht sich in der Ausrichtung der Aufenthaltsräume sowie der raumhohen Glasfassaden direkt auf die Friedhofsmauer. Trotzdem bleibt stets eine respektvolle Distanz gewahrt. Sie schafft Raum für eine besondere Eingangssituation, die direkt an der Mauer entlangführt und diese so von Beginn an erfahrbar macht. Dieser Eingang fungiert zudem als räumliche Trennung der Welt der Jugendlichen vom Außenraum und unterstützt somit das Gefühl von Privatsphäre.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass wir in diesem Projekt versucht haben, den historischen Bestand durch eine angemessene Interpretation zu würdigen, vor allem jedoch neu zu beleben und so den Kontrast zwischen Alt und Neu, Pietät und Lebenslust zu harmonisieren.

Ansicht Ost des Jugendhauses
München, 2020 © Daniel Fölsch
Innenraum Ansicht Nord Raumgefüge und Friedhofsmauer
München, 2020 © Daniel Fölsch
Innenansicht Nord Eingangssituation an Friedhofsmauer
München, 2020 © Daniel Fölsch
Ansicht Ost Straßenseite
München, 2020 © Daniel Fölsch
Grundriss Erdgeschoss
München, 2020 © Hannah Hribek
Konzept Raumgefüge zwischen Friedhofsmauer und Straßenwand
München, 2020 © Daniel Fölsch