The Grand Domestic Revolution… Goes On

Dr. Gabrielle Schaad
Professur
Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design
Seminararbeit

Feministische Vorschläge zum Wohnbau aus dem ausgehenden 19. Jh.? Zu einer Zeit als es Architektinnen offiziell noch gar nicht gab, entwickelten engagierte Sozialreformerinnen in den USA neue Modelle zu Wohnbau und Vergemeinschaftung der Hausarbeit. Ihre utopischen Pläne sind in der Städtebautheorie nach wie vor unterschätzt, wurden aber beispielsweise von Ebenezer Howard im Modell der Gartenstadt in Aspekten aufgegriffen. Obwohl sich die Rollenbilder in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben, hinkt der Wohnbau und die Auseinandersetzung mit dem Aspekt der Hausarbeit dieser gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Bergen die historischen Vorschläge Potenzial für die aktuelle Situation?

Die städtebaulichen Vorschläge «materieller Feministinnen» wie Melusina Fay Peirce (1836–1923) oder Charlotte Perkins Gilman (1860–1935) hat Dolores Hayden in The Grand Domestic Revolution: A History of Feminist Designs for American Homes, Neighborhoods, and Cities (MIT Press, 1981) vorgestellt. Sie spitzten frühsozialistische Pläne wie etwa von Robert Owen (1771–1858) oder Charles Fourier (1772–1837) zur Vergemeinschaftung von Hausarbeit angesichts der paradoxen Verhäuslichung werktätiger Frauen im industriellen Kapitalismus der USA weiter zu. Gleichberechtigung im Alltag sollte über die individuelle Wohnstätte hinaus bei planerischen Eingriffen im (sub-)urbanen Gefüge ansetzen.
Seither gab es auch in Europa in unterschiedlichen Maßstäben Anläufe, Haus- und Sorgearbeit bzw. Care-Ökonomie im Städtebau mitzudenken. Insbesondere die Versprechen technologischer Errungenschaften gilt es dabei aber kritisch zu beleuchten. In diesen zeitlich, kulturell wie geographisch anders situierten Kontexten lassen sich verschiedene Wirtschaftsmodelle, Rollenbilder oder ein Fehlen intersektioneller Perspektiven nachzeichnen. Das Seminar erarbeitete die historischen Vorschläge als Beiträge zur Architekturtheorie und spann den Faden weiter ins 21. Jh. zu zeitgenössischen Beispielen aktuellen Wohnbaus in bzw. um München. Im Rahmen eines Workshops mit Prof. Dr. Mona Mahall und Prof. Dr. Asli Serbest erprobten die Studierenden subtraktive und spekulative Entwurfsverfahren.

Workshopankündigung n-1, m-a-u-s-e-r (Asli Serbest & Mona Mahall), 21.12.2019
m-a-u-s-e-r,«The House That Alice Built», Workshop n-1, 21.12.2019, Copyright: m-a-u-s-e-r