Schicht im Schacht

Johannes Schmitt
Professur
Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft
Forschungsarbeit

Die Masterthesis „Schicht im Schacht“ entwickelt eine Strategie zur Transformation saarländischer Kohlebrachen am Beispiel des Kohlebergwerks Luisenthal.
2012 endet der Bergbau im Saarland. Neben den heute noch laufenden Sanierungen gilt es, die isolierten Bergwerke in lebenswerte Räume zu transformieren. Zentrale Herausforderungen in den Bergbaugebieten sind die Verknüpfung der Gruben mit ihrer Umgebung, ihre vielseitige Umnutzung für Anwohner und Vereine sowie die Berücksichtigung der historischen Zusammenhänge. Der Strukturalismus diente in der vorliegenden Arbeit als Werkzeug, diesen Herausforderungen zu begegnen. Mit sogenannten Informations- und Bedeutungsschichten (auf regionaler und lokaler Ebene) werden am Beispiel der Grube Luisenthal Beziehungen zum Ort wiederhergestellt und weiterentwickelt.

Die ursprünglich bergmännische Redewendung „Schicht im Schacht“ deutet auf die Betrachtung der Bergwerke in mehreren Schichten hin. Fünf solcher Ebenen wurden für Luisenthal entworfen: Das bestehende lineare Erschließungsnetz mit Blickachsen, Verknüpfungselemente als Treffpunkte und Übergangsräume, die Industriereste und das Gewässersystem als historische Relikte der Grube, sowie das Vegetationssystem zur besseren Orientierung und Lesbarkeit. Ein wichtiger Aspekt für jede Ebene ist die vielfältige Interpretation und Aneignung ihrer Strukturen durch die Entwicklung polyvalenter Räume. Als neue Entwicklung wird der Bau einer Grundschule vorgeschlagen. Bestehende Gebäude werden als Caféteria, Werkstatt, Sporthalle und Vereinsräume nachgenutzt. Die Schule ergänzt die Nahversorgung Luisenthals und ist eine sinnstiftende Neuansiedlung, da viele Generationen zusammenkommen und das Gelände beleben. Die der Schule vorgelagerten Gärten mit geometrischen Heckeneinfassungen werden von den Nutzern ausgestaltet. Vorstellbar sind gärtnerische Tätigkeiten durch gemeinschaftliches Zusammenwirken vor Ort. Neben der Vielfalt an Gärten, Terrassen, Rasenflächen und anderen Plätzen, erhält auch die vorhandene Fauna mit Mauereidechsen und Heidelibellen Lebensräume.

Perspektive am Südtor
2020 © Johannes Schmitt
Analyse mit Informationsschichten der Region und des Ortes
2020 © Johannes Schmitt
Lageplan des zukünftigen Grubengeländes Luisenthal
2020 © Johannes Schmitt
Geländeschnitte durch Grube und Umgebung
2020 © Johannes Schmitt
Perspektiven und Detailpläne des Süd- und Osteingangs
2020 © Johannes Schmitt
Nutzung und Interpretation der Grube
2020 © Johannes Schmitt