Re-Reading Virginia Woolf

Professur
Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design
Projektarbeit

Ein Zimmer für Sich Allein als architektonisches Manifest.
1929 veröffentlicht Virginia Woolf „A Room of One‘s Own“ – ein Essay in Prosa-Form und gleichermaßen ein Manifest mit konkreten Ansprüchen an Raumproduktion, -Nutzung und deren Akteure. Die titelgebende Forderung lautet sinngemäß: jeder Mensch muss eigenen Raum in Anspruch nehmen können! Dabei beschränkt sich der eigene Raum nach Woolfs Verständnis nicht auf private Zimmer; individuelle Räume müssen insbesondere in öffentlichen Sphären und Institutionen etabliert werden können. Ihre Forderungen sind Zugang und Aneignung anstatt Beschränkung auf Heimarbeit. Im Rahmen der Arbeit wird Woolfs Text mit dem Blick eines intersektionalen Feminismus in ein explizites Manifest übersetzt und auf dieser Basis ein architektonischer Entwurf entwickelt.

Das konkrete Anliegen des Entwurfs ist die Entwicklung eines Areals mit einem Sozial- und Gesundheitszentrum sowie Wohnheimen in München. Dieser Entwurf ist keinesfalls als Prototyp, sondern als situative Einzellösung und nur eine zahlreicher möglicher sowie notwendiger Antworten auf Woolfs Forderungen gedacht. Der zentrale thematische Fokus liegt dabei auf dem individuellen Körper-Raum als primärem eigenen Raum und der Frage, welche Voraussetzungen gestaltete Umwelt, einschließlich Architektur, erfüllen muss, um Individuen Freiheit im Umgang mit dem eigenen Körper und Intellekt zu ermöglichen.
Das leerstehende, vom Abriss bedrohte ehemalige Gesundheitshaus am westlichen Rand der Münchener Maxvorstadt wird durch einen Umbau als Sozial- und Gesundheitszentrum (spezifisch aber nicht exklusiv) für Frauen reaktiviert. Es entsteht dabei eine Tagesstätte, die auf drei Etagen mehrere Veranstaltungs-, Seminar- und Aufenthaltsräume sowie ein Café und eine niederschwellige Beratungsstelle vereint. Dieses vor allem Münchner*innen dienende Angebot wird durch ein explizit überregionales Programm ergänzt, das sich aus einer offenen gynäkologischen Praxis mit ambulantem OP sowie temporären Wohnangebot für Personen in Beratung oder Behandlung und deren Begleitung zusammensetzt.
Auf dem als öffentliche Grünfläche genutzten Grundstück befindet sich seit Jahrzehnten ein Dauer-Wohnheim für ältere, alleinstehende Männer. Durch Um- und Anbau werden barrierefreie Wohnstandards erreicht und dadurch das Fortbestehen der Wohngemeinschaft ermöglicht. Zudem entsteht ein neues Wohnheim für Frauen.