Hospiz an der Isar

Professur
Städtische Architektur
Projektarbeit

Der Typus des Hospizes als Einrichtung der Sterbebegleitung manifestiert die Vorstellung, dass Sterben, Tod und Trauer ein Teil des realen Alltags sind. Das Hospiz ist in diesen Lebenslagen von äußerster Relevanz und ermöglicht den Bewohnern und Angehörigen die Begehung eines Lebensabschnittes in einem Rahmen, in dem moderne Versorgungsleistungen, aber auch vielfältige Angebote für Betreuung im Fokus stehen. Ziel des Projekts war der Entwurf eines Hospizes als prägnantes städtisches Haus, das als Teil der sozialen Gemeinschaft mitten in einer städtischen Struktur verankert wird. Neben den gemeinschaftlichen und privaten Orten innerhalb des Hospizes braucht es ebenso direkte Kontaktpunkte mit der Stadtgesellschaft, um Berührungsängste abzubauen und die Hospizbewohner als Teil der Gesellschaft in den urbanen Rahmen zu integrieren

Das Grundstück befindet sich im Glockenbachviertel an der Wittelsbacherstraße und ist direkt am Lauf der Isar, einer städtisch-prominenten Stelle, lokalisiert. Von Anfang an bestand für uns der Anspruch, die Straßenfassade der Wittelsbacherstraße zu schließen und unserem städtischen Haus so eine bedeutende Hauptfassade zu geben. Gleichzeitig ermöglichen wir einen öffentlichen Zugang zu der, der Rückseite zugewandten, Kita und dem Café. Im Nordwesten entsteht eine große Freifläche, die mit den Bewohnern des Hospizes, der angrenzenden Schulbebauung und der Nachbarschaft geteilt wird, um so den Gemeinschaftssinn zu verstärken. Im Inneren des Hospizes konzentrierten wir uns auf Raumabfolgen, die, in Kontrast zu streng funktionalen Abfolgen und Trennungen, Wohnlichkeit und Durchmischung kreieren können. Gewöhnliche Elemente wie Korridore werden durch zweigeschossige Gemeinschaftsbereiche aufgelöst. In diesen finden Musik, -Kunst- und Bewegungstherapie und gemeinsames Kochen statt. Nischen vor den Zimmern der Bewohner bilden individualisierbare Schwellenräume zwischen Öffentlichkeit und Privatraum. Zusätzlich sind halb-private Aufenthaltsräume neben den Hauptfunktionen integriert, um den Angehörigen einen eigenen Rahmen für Gespräche zu ermöglichen. Die Fassade und Materialität des Gebäudes spiegelt den Kerngedanken der Raumphilosophie wider: Die unter Referenz der historischen Nachbargebäude entstandene Rhythmisierung von offenen- zu geschlossenen, privaten Bereichen wird durch die zweigeschossigen Nutzungen aufgebrochen und erhält so eine spürbare Dynamik und Präsenz.

Blick von anderem Ufer
an der Isarpromenade
Grundriss EG
Erdgeschoss mit Kita, Restaurant, Cafe und Außenanlagen
Grundriss Hospizzimmer
großzügiges, barrierefreies Apartment mit Blick auf die Isar, Berge und Stadt
Ansicht von Süden
Ein Geschoss höher als die Nachbarschaftsbebauung -> weiter Blick für die Gäste
Blick aus der Loggia
Innenraummodell
Blick vom Eingang durch das Zimmer
auf die Isar, Richtung Süden