Einfluss von Architektur auf Gesundheit und Verhalten

PublikationProfessur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Forschungsarbeit

Jeder von uns kennt Gebäude, in denen man sich gern aufhält und wieder andere, die man eher meidet. Diesen Einfluss von Architektur auf unser Empfinden, in diesem Fall Zu- oder Abneigung, nennen wir in der Architekturpsychologie “affektive Architekturqualität”. Die Frage, ob man diese affektive Qualität bewusst einsetzen kann, um als Architekt*in menschliches Verhalten zu steuern, bewegt unterschiedlichste Disziplinen seit Jahrhunderten. Wissenschaftliche gesehen, ist sie jedoch noch immer weitestgehend unbeantwortet.

In der Forschungsarbeit “Einfluss von Architektur auf Gesundheit und Verhalten” wird versucht, im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes die dringende Frage nach dem bewussten Einsatz affektiver Architekturqualität auf menschliches Verhalten, erstmals systematisch und empirisch zu untersuchen. Zunächst wurde das wissenschaftliche Konsortium “Architektur und Globale Gesundheit” der TUM mit Vertreter*innen aus Medizin, Gesundheitswissenschaften, Psychologie und Architektur gegründet, das die Forschungshypothese entwickelte. Gemeinsam mit Studierenden der Architekturfakultät wurden dann systematisch Beweise aus der Literatur gesucht, die die Hypothese direkt oder indirekt stützen. Dieser Scope Review führte die Studierenden durch wichtige Quellen einer bis dato Fachfremden Literaturwelt, der Architekturpsychologie. Die gefundenen Ergebnisse wurden systematisiert und diagrammatisch dargestellt. Allein über den Einfluss von Tageslicht und seiner architektonisch gerichteten Dosierung, konnten zahlreiche Belege gefunden werden, die signifikante Zusammenhänge zeigen: Beispielsweise auf eine Senkung des Privatheitsgefühls, Senkung der Krebssterblichkeit, der Nebenwirkungen einer Krebstherapie, der negativen Symptome einer Depression, auf eine Steigerung der Aktivität geriatrischer Patienten, Steigerung des Gemeinschaftsgefühls und sozialer Interaktion und sogar Steigerung des Wohlempfindens Blinder. Doch was bedeutet “architektonisch gerichtete Dosierung”? Die Arbeitsgruppe stößt an dieser Stelle auf sehr unterschiedliche und sich zum Teil widersprechende Aussagen. Das PAKARA Modell, das Architektur in präventive, kurative und rehabilitative Einflussfaktoren gliedert, half bei der Aufklärung der Widersprüche. Es zeigte sich deutlich, dass die Zukunft der Nutzung von Architektur als Verhaltensintervention im Bereich der Prävention liegen wird.

Blackbox Architekturpsychologie
2020 (c) Jack Broeders