CAÑADA’s (IN) formal REALanguage

Professur
Landschaftsarchitektur und öffentlicher Raum
Projektarbeit

Die im Osten von Madrid liegende Cañada Real Galiana gilt als die größte informelle Siedlung von Europa. Aufgrund ihres sowohl rechtlich, und daraus folgend strukturell, informellen Charakters wird die über Jahrzehnte lang gewachsene Siedlungsstruktur als Fremdkörper in der Landschaft wahrgenommen, welche zunehmend von städtebaulichen Großprojekten im suburbanen Raum der Hauptstadt geprägt wird. Wo diese unterschiedlichen Strukturen räumlich aneinanderwachsen, scheinen die unterschiedlichen Subkulturen nicht zusammen, sondern Ängste und daraus resultierende Stigmatisierungen, zu wachsen. Der Entwurf stellt die Hypothese auf, dass die soziale Integration der Cañada in Form einer gemeinsamen Kommunikation zwischen verschiedenen Subkulturen von der räumlichen Kommunikation der jeweilig zugehörigen Landschaftsräume abhängt.

Dieser Betrachtung folgend werden die unterschiedlichen Landschaftsräume als verschiedene strukturelle Sprachen betrachtet, welche über den Entwurf miteinander vermittelt werden. Das methodische Grundgerüst für dieses Konzept bildet die Theorie der „Pattern Language“ von Christopher Alexander, welche die Landschaft als ein Konglomerat aus Mustern betrachtet, welche aufeinander aufbauen und so gemeinsam eine Hierarchie von der kleinst- in die größtmögliche Maßstabsebene bilden. Als Basis für die Vermittlung der Sprachen zweier unterschiedlicher Subkulturen wird der Charakter der jeweiligen Struktur von der Maßstabsebene des einzelnen Individuums über die Gemeinschaft dieser Individuen in Nachbarschaften hin zu der Subkultur, bestehend aus verschiedenen Nachbarschaften, in den öffentlichen Raum übersetzt. Auf Basis des Verständnisses der eigenen, sich aus verschiedenen Ebenen und ihren Mustern bildenden, Sprache werden im größten Maßstab und letzten Entwurfsschritt die Subkultur der informellen Siedlung
Cañada mit der Subkultur der Planstadt von Rivas-Vaciamadrid miteinander beispielhaft vermittelt. Diese räumliche Vermittlung wird auf allen Maßstabsebenen des Entwurfes über die Grenzen zwischen den einzelnen Mustern, in diesem Falle Bestandteilen der jeweiligen Sprache, angeregt. Sie bildet das Grundgerüst für die Subkulturen, Unterschiede nicht zum Anlass der gegenseitigen Stigmatisierung zu nehmen, sondern jene Unterschiede über die Muster, aus welchen sie bestehen, im ersten Schritt für sich zu identifizieren und über die eigene Identität im zweiten Schritt Unterschiede miteinander räumlich zu kommunizieren.

Die Planstädte von Madrid bilden einen harten Kontrast zu der gewachsenen informellen Siedlung
Cañada Real Galiana, 2019 © Fabian Konopka
Entwurf CAÑADA’s (IN)formal REALanguage, Plan 1
München, 2020 © Fabian Konopka
Entwurf CAÑADA’s (IN)formal REALanguage, Plan 2
München, 2020 © Fabian Konopka
Entwurf CAÑADA’s (IN)formal REALanguage, Plan 3
München, 2020 © Fabian Konopka
Entwurfsebenen CAÑADA’s INformal REALanguage
München, 2020 © Fabian Konopka
Die fehlende Infrastruktur bildet eine der größten Herausforderungen für die Cañada
Cañada Real Galiana, 2019 © Fabian Konopka