Entwurfstheorie und Gesellschafts­bild

Professur
Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design
Seminararbeit

Im Rahmen des Seminars „Geschlechterdiskurse in Bauten, Bildern und Texten“ mit Prof. Dietrich Erben und Doris Hallama am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Architektur, Kunst und Design beschäftigte ich mich mit zwei Werken des britisch-amerikanischen Architekten Christopher Alexander: „A Pattern Language“ und „The Timeless Way of Building“. Christopher Alexander beschreibt eine Entwurfstheorie, welche eine Architekturpraxis mit ArchitektInnen, BauherrInnen und Nutzer in Frage stellt und stattdessen die Idee einer partizipatorischen Architektur verfolgt, wo BewohnerInnen die gebaute Umwelt selbst entwerfen, planen und bauen.

Christopher Alexander’s Werke führen aber nicht nur eine neue Entwurfsmethode ein, sondern beschreiben auch ein Abbild der Gesellschaft, mit dem ich mich in meiner Arbeit auseinandersetzte.
Reelle und ideale Bilder einer Gesellschaft vermittelt Christopher Alexander auf verschiedenen Ebenen: Zur Erklärung der Entwurfssprache angeführte Beispiele illustrieren ein reelles Bild von der Gesellschaft der 70er Jahre, indem in den Entwurfsanleitungen klare Vorstellungen von Familie, der Beziehung von Familie und Beruf, zur Rolle von Mann und Frau sowie zur Religion skizziert werden (in orange). Vorstellungen von der menschlichen Natur und dem Zusammenleben, auf die er seine Entwurfstheorie aufbaut, beschreiben ein Wunschbild von der Gesellschaft. Für Christopher Alexander steht hier der Mensch klar im Zentrum. Die innere Natur des Menschen, seine Bedürfnisse und Intuition sind Ausgangspunkte für einen „guten“ Entwurf (in violett). Überträgt man beschriebene Entwurfsmuster auf Wertevorstellungen, zeigen diese ein Bild einer idealen Gesellschaft. Christopher Alexander macht hier Aussagen über die Rolle des Individuums in der Gesellschaft, über Traditionen und der Befreiung von Konventionen und stellt u.A. Top-Down-Strukturen in Frage (in blau).
Diese Beschäftigung mit dem Gesellschaftsbild hinter Christopher Alexander’s Mustersprache lehrte mich einmal mehr, dass wir Architekturentwürfe nicht isoliert betrachten können. Denn obgleich es nicht zu jedem Entwurf eine mehrbändige Theorie gibt, so steckt doch immer ein Bild, manchmal auch ein Wunschbild von der Gesellschaft dahinter, das seine Rezeption und Wirkung ähnlich stark prägt wie die Raumaufteilung, Fassadengestaltung oder die Materialwahl.