ATTACKE

Felix Brugger
Franziska Schwartz
Professur
Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume
Projektarbeit
Vor Beginn des Braunkohleabbaus war die Lausitz ein feinmaschiges Netz aus vielen kleinen, historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen, die die Identität der Region in ihrer Gesamtheit prägten. Mit Einzug des Tagebaus wurden viele Dörfer der Region abgebaggert, während das Landschaftsbild immer stärker von neu gebauten, monofunktionalen Plattenbausiedlungen dominiert wurde. Nun, nachdem der Kohleausstieg beschlossen wurde, soll eine neu entstehende Seenlandschaft die Spuren des Tagebaus verwischen. Die Analyse der Lausitz bringt hervor, dass es dringend notwendig ist, die historischen Siedlungen in zukünftige Veränderungen der Region zu integrieren, nachdem sie in der Vergangenheit stark benachteiligt wurden. Folglich werden diese als Ausgangspunkt für die Entwicklung des Entwurfs ATTACKE betrachtet.
Der Entwurf hat zum Ziel, dass verschiedene gesellschaftliche Milieus aufeinandertreffen, Habitate vernetzt werden und Verbindungen zwischen den Dörfern und den Seen intuitiv wahrnehmbar sind. Die beschriebene Zielsetzung führt zu der Idee, dass in der Region erst dann ein neues Gleichgewicht entstehen kann, wenn bestehende Strukturen aufgebrochen werden und sich neu zusammensetzen. Hierfür werden die Wirkungsprinzipien der Explosion, das „Zerbersten eines [...] Körpers durch inneren Überdruck“ (DWDS a), und der Implosion, die „Zerstörung [...] durch den Druck von außen“ (DWDS b), herangezogen. Eine Differenzierung der Maßnahme Explosion gelingt durch den jeweiligen Charakter des Anwendungsbereichs. Die Lausitzer Seenlandschaft wird daher, basierend auf den Erkenntnissen einer vorherigen Analyse, in vier unterschiedliche Landschaftsräume unterteilt. Die Charakteristika der jeweiligen Räume werden in spezifische Gestaltungsprinzipien überführt, die wiederum rahmengebend für anschließende Maßnahmen sind. Auf dieser Grundlage wird ermöglicht, die Eigenarten der jeweiligen Seen zu verstärken, indem die Seeatmosphäre räumlich ausgedehnt und an die Dörfer angebunden wird. Beispielsweise wird in dem von der IBA Fürst-Pückler-Land geprägten Bereich der Charakter einer architektonisch kultivierten Bergbaufolgelandschaft aufgegriffen. Beispielhaft dafür ist eine prägnante Steganlage, die das Dorf Sedlitz über ein Sperrgebiet und den Sedlitzer See hinweg mit dem Aussichtspunkt Rostiger Nagel verbindet. Die Implosion findet Anwendung in drei verschiedenen Intensitätsstufen. Stufe eins definiert punktuelle Interventionen, die durch den Abriss vereinzelter, leerstehender Plattenbauten umgesetzt werden. Stufe zwei hingegen beschreibt einen repetitiven und netzwerkartigen Abbruch innerhalb größerer Plattenbausiedlungen. Die dritte Stufe findet Anwendung in den Kraftwerken und deren Umfeld, die nach Beendigung des Strukturwandels obsolet werden und kaum eine Neuinterpretation zulassen. Nach Einsetzen dieser Maßnahme entfällt der größte Teil der Gebäude und lediglich raumwirksame sowie identitätsstiftende Strukturen wie etwa Schornsteine bleiben erhalten. Im Gesamten führen Implosion und Explosion dazu, dass aus dem alten, isolierten Raumgefüge ein neues, integratives Netzwerk entsteht. In dem neuen Gleichgewicht, das sich nach den drastischen Maßnahmen einpendelt, werden alle drei Akteure – historische Siedlungen, durch den Tagebau entstandene Strukturen und die Seen – voneinander profitieren.
PERSPEKTIVE_rostiger-nagel
Siedlungstypologienkarte
Entwurfsprojekt landschaftBLAU
Zoom 1 Hoyerswerda
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Zoom 2 Großräschen
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Sedlitz
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Hoyerswerda
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