VILLARoSA

Felix Kruthaup
Muriel Lippert
PublikationProfessur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Projektarbeit

Unser Bachelorprojekt ist ein persönliches Projekt. Okt. 2020 sind wir als WG in ein Einfamilienhaus in Sendling eingezogen, das die Vermieter damals planten abzureißen um ein Mehrparteienhaus neu zu bauen. Wir (Felix+Muriel) überzeugten sie von der Sinnhaftigkeit eines Umbaus und begannen in Rücksprache den Entwurf für die Transformation des Hauses in dem wir wohnen, in ein Haus für vier große Parteien. Der Entwurf war begleitet vom Dialog mit dem Haus, dem Ort, den Vermietern, den Mitbewohnern und den Dozenten.

Der städtebauliche Typus bleibt das freistehende Haus mit Abstand zu den Nachbarn und Blickachsen in den grünen Garten, die durch die schmale längliche Gebäudeform unterstrichen werden. Auf den ersten Blick ist das Haus konventionell. Ohne seine Neuheit in die Welt zu schreien, erfüllt es die Anforderungen des Alltäglichen. Den Umbau erkennt man erst auf den 2. Blick. Die Bestandsfassaden bleiben erhalten und werden ergänzt.
Die Eigenschaften der Umgebung werden aber nicht kritiklos übernommen: Den Rückzug ins Private kontrastiert das Projekt mit einem offenen Raum, in dem sich alle willkommen fühlen sollen.
Die Gartenmauer wird abgetragen. Der Westen ist die einzige Außenwand, bei der ein Durchbruch vorgenommen wird, um eine zur Straße orientierte Außenküche für die Bewohnergemeinschaft anzubieten. Vordächer laden zum Aufenthalt ein. Der südliche Teil des Gartens, zu dem sich die Wohnzimmer öffnen, wird entprivatisiert. Jede Partei hat einen gleichwertigen Zugang über die Außentreppe in den Garten der Hausgemeinschaft. In den Wohnzimmern kann, muss aber keine Privatheit hergestellt werden. Wer sich mal im Wohnzimmer zurückziehen will, kann die Vorhänge an den Balkonen vorziehen, sonst ist auch dieser Lebensbereich offen und geteilt.
Die Individualräume sind zum größten Teil in den Osten orientiert. Dieser Gartenteil ist ruhig und der Natur überlassen. Grünes Volumen steht dem Gebäudevolumen gegenüber. Die wichtigste Frage im Entwurf war: Wie gehen wir mit dem Bestand um? Radikal zärtlich! Obwohl das Programm stark erweitert wird, bleibt die bestehende Villarosa fast vollständig wie sie ist, erhalten: Es werden fast nur bestehende Öffnungen genutzt, kaum neue Durchbrüche vorgenommen oder Wände entfernt. Durch einen durchlaufenden Raum kann die Erweiterung an den Bestand angeschlossen werden, ohne der bestehenden Außenwand neue Öffnungen hinzuzufügen. Wo möglich und sinnvoll, werden auch bestehende gut erhaltene Holzfenster im Bestand erhalten und mit einem dänischen Fenster von außen aufgedoppelt. Eine passive Belüftung des Hauses lässt sich durch Falzlüfter realisieren, welche Luft vorkonditioniert in den Raum lassen.
Wo Wände entfernt werden, bleiben Fragmente bestehen. Der Boden wird mit einem Stück Holz aufgefüllt, die Schwelle der alten Wand bleibt räumlich wahrnehmbar. Das alte Haus wird vom Neubau umflossen; besonders am Außenwandfragment mit der Küche kann man diesen Umgang ablesen. Durch die beiden Bestandsöffnungen kann man die alte Außenwand, die jetzt Innenwand ist, umlaufen. Der Raum, der zwischen Alt und Neu zur Erschließung der Räume entsteht, kann flexibel genutzt werden. Im Dach wird erweitert und die baurechtlich maximale Höhe ausgenutzt.

Villarosa
Blick aus der Pilsenseestraße, Visualisierung
Der Bestand
Im Modell 1:200 und in echt
Flexibler Raum und erweiterte Treppe
lesbare, aber undefinierte Übergänge zwischen Neu und Alt
Dachgeschoss und Schlafzimmer nach Osten
Gerahmte Blicke und reduzierte Materialität prägen den Alltag
1zu1 Modell
Basti & Lydia und Luisa & Bene in ihren neuen Wohnzimmern
Pläne
Grundriss Erdgeschoss und Schnitt A-A