Der Prozess

Professur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Projektarbeit
„Wenn wir die Moral zum Ausgangspunkt eines Entwurfes machen, was passiert dann? Negieren wir dann jegliche Form oder formale Entscheidung? Negieren wir dann am Ende gar das Bauen selbst? Wenn wir naturwissenschaftliche Methoden zum Ausgangspunkt eines Entwurfes machen, was passiert dann? Blinkt der Computer ständig und schlägt Alarm, weil er mit ideellen oder gar mit „moralischen“ Kriterien gefüttert werden will, da auch er sonst keine mangelfreien Entscheidungen treffen kann? Wenn wir Partizipation zum Ausgangspunkt eines Entwurfes machen, was passiert dann?“ (R. Almannai & F. Fischer) Diesen Fragen stellten wir uns während des Semesters und führten drei Prozesse für und gegen die Form, die Moral und die Autorität anhand einer Erweiterung des Justizpalasts Bayreuths und dem Büroumbau des Landgericht Ingolstadts.
01. Justizpalast Bayreuth: Gerichtssaal der Zukunft. Dem erhöhten Platzbedarf gemäß wird ein Gerichtssaal unter dem bestehenden Dachstuhl realisiert. Kontemporären Ideen der variablen Prozessführung entsprechend bieten pneumatische Blasen Räume zur Prozessinszenierung. In coram publico - „in aller Öffentlichkeit“. Diese sehen wir als Ergänzung zu den vorhandenen Gerichtssälen. Der Dachstuhl wird abgedeckt und witterungsbeständig versiegelt. Die zermahlenen Dachziegel werden als Bodenbelag wieder aufgebracht. Die Architektur kann bedarfsgerecht eingesetzt werden. Verschiedene Blasen eröffnen verschiedene Prozessschritte. Entsprechend dem Vorbild der temporären Traglufthalle schaffen recycelte Membranen Räume für einen Schlagabtausch auf Augenhöhe, die auch im energetischen Vergleich die konventionelle Dachsanierung überwiegen. 02. Landgericht Ingolstadt: Umbau der Bürostruktur. Der digitale Wandel im Justizwesen und Überlastung der vorhandenen Struktur fordern Veränderung. Die bestehende einzellige Bürostruktur wird mit minimalem Aufwand behandelt. Aufbruch ohne Zerstörung. Ein Schienensystem mit Raumartikulatoren wird implementiert. Diese erfüllen nach Bedarf raumbildende, akustische und persönliche Anforderungen. Ebenso wird die Bestandsfassade durch Aufbringen von 3-D gedruckten PETG Elementen angepasst. Die Ikonografie der Emojis greift auf die repräsentativen Fassaden von Justizgebäuden zurück. Das komplexe Gerichtswesen wird neu interpretiert und kontrastiert.