UN ORTE

Professur
Entwerfen und Gestalten
Seminararbeit

„Der Mensch ist abhängig von Bedeutung, danach richtet sich sein gesamtes handeln.“ Die Idee eines Potenzials in der Bedeutungslosigkeit in anthropologischer Hinsicht wird von M. Frderiksen in dem Buch: An anthropology of nothing in particular vorgestellt. Diese These soll in die Architektur übertragen und kritisch hinterfragt werden. Gerade hier ist das Streben nach Bedeutung, im Sinne eines allumfassenden Konzeptes, rein funktionales- und begründetes Gestalten allem übergeordnet. Diese Abhängigkeit in jedem gestalterischen Akt und jedem Objekt nach Bedeutung zu suchen, überschattet womöglich das Potenzial das in einer nüchternen, losgelösten, subjektiven Betrachtungsweise liegt.

In der „Exkursion der Bedeutung“ werden verschiedene Standpunkte von Autoren zur Bedeutungslosigkeit in der Architektur betrachtet: Marc Augé, der den Begriff das Ortlosen („non-place“) prägt als monofunktionale Gebäude der Transition. Edward Relph, welcher den vorangegangen Begriff aufgreift, ihn auf standardisierte Orte ausweitet („Placelessness“) im Gegenteil zu authentischen Identität stiftenden Orten. Alterazioni Video, die den unvollendeten Infrastrukturgebäuden, die nie ihre angedachte „Bedeutung“ in ihrem Nutzen erfahren haben, eine neue Bedeutung zugestehen. Als architektonische Manifestationen der menschlichen Unvollkommenheit. Oder aus eigener Hand, die fragile Nutzung, bei der das Gebäude immer wieder neu ertüchtigt wird und die Vergänglichkeit der Nutzung ebenfalls als eine Vergänglichkeit der Bedeutung zu interpretieren ist?
Um diesen Gedankengang in ein Projekt zu übersetzen, werden Gebäude aus München auf eine Kontextlose weise betrachtet. Sie haben die Nutzung, für die sie ursprünglich gebaut wurden hinter sich gelassen, um vermeintlich eine neue Bedeutung zu erlangen. Es wurden konkret Gebäude ausgewählt die in der Zeit des Nationalsozialismus unter der NS Ideologie, einer monumentalen Moderne, errichtet wurden. Dabei hat sich die Auswahl bewusst von den neoklassizistischen Gebäuden distanziert und mehr auf repräsentative militärische Gebäude beschränkt. Die drei Gebäude haben eine ähnliche Größe, unterscheiden sich jedoch in ihrer Bauart und Formensprache. Genau diese Aspekte werden in der genaueren Betrachtung zu einer Andersartigkeit der Modelle führen. Wird man diese Gebäude immer im negativen Zusammenhang ihrer Geschichte sehen oder kann man es losgelöst von seinem historischen Kontext betrachten? Als „Stück“ aus dem Gebäude, eine Komposition der Elemente, zeigt das Modell eine auf die Form und Struktur reduzierte Betrachtungsweise. Die übersetzte „DNA“ lässt Bezüge zu der architektonischen Ideologie des NS Regimes zu, ist jedoch abstrakt genug um nicht nur als solche wahrgenommen zu werden. Dem „Stück“ wird der Maßstab entzogen, es ist eine Akkumulation der wahrgenommenen Eigenheiten in Fassade, Material sowie Fügungs- und Eckpunkten.

Drei Stücke
Modellfoto
Zitat
Zitat
Prozess
Text
Lageplan
Linienzeichnung
Drei Stücke
Modellfoto