Hanna Löv (1901-1995). Regierungs­baumeister

Professur
Architekturgeschichte und kuratorische Praxis
Forschungsarbeit

Die vorliegende Dissertation hat Leben und Werk Hanna Lövs erforscht, einer der frühen Architektinnen Bayerns. Sie machte 1923 ihr Diplom der TH München. Zweimal wurde Hanna Löv in Ausstellungen am AM-TUM präsentiert, 2004 in einer Gruppenausstellung über Architektinnen in der Weimarer Republik, „Die Neuen kommen! Weibliche Avantgarde in der Architektur der zwanziger Jahre“, die im Anschluss am Bauhaus Dessau zu sehen war. Lövs Nachlass kam nach der Ausstellung in das Archiv des Architekturmuseums der TUM, wo sich die Architektin erneut in Gesellschaft hauptsächlich männlicher Kollegen wiederfindet. Ein zweites Mal waren Objekte aus Lövs Nachlass dann 2014 in der Ausstellung „Show&Tell“ zu sehen. Die Schau präsentierte die Vielfalt der Sammlung des Archivs. Durch diese Arbeit war Löv zum ersten Mal Protagonistin.

Für meine Doktorarbeit Hanna Löv (1901-1995). Regierungsbaumeister, habe ich Archivquellen ausgewertet und viele neue Perspektiven auf Leben und Werk der Architektin gefunden. Mein Fokus lag dabei auf sowohl auf Geschlechterfragen, als auch auf einer kritischen Analyse der Umstände, die es ihr ermöglichten, einer kontinuierlichen Karriere in Deutschland zwischen den 1920er und den 1960er Jahren nachzugehen.
Sie absolvierte ihr Diplom 1923 bei den Professoren von Schmidt und Bestelmeyer mit der Note „sehr gut“ und ging im direkten Anschluss zu Robert Vorhoelzer ins Baureferendariat der Oberpostdirektion. Drei Jahre später war sie die erste weibliche Regierungsmeisterin in Bayern, dazu Jahrgangsbeste.
Ihr ganzes Leben führte sie den Titel Fräulein Regierungsbaumeister. Darin zeigt sich das ambivalente Verhältnis, das Löv zu ihrer Lebensrealität, als einer Frau in der Architektur hatte. Wir kennen nur zwei Stellungnahmen ihrerseits zu ihrer Rolle als Frau in ihrem Fach und in ihrem Beruf. Beide Male zeigt sie sich empört über berufliche Ungerechtigkeiten trotz überdurchschnittlicher Leistungen. Sie arbeitete zwischen 1924 und 1958 in drei Hochbauämtern als Architektin, als Regierungsbaumeisterin und wurde trotzdem nie verbeamtet.
Wenn man ihre Ausbildung und Karriere betrachtet, fallen allerdings keinerlei Unterschiede zwischen ihr und ihren ausschließlich männlichen Kollegen auf. Aus heutiger Perspektive ist das mehr als auffällig unauffällig, ein Paradigma, das mich in meiner Arbeit durchgehend beschäftigt hat.
Das wird in der Rezeption ein noch größeres Dilemma, weil man wenig über die persönliche Sphäre Lövs sagen kann, aber warum sollte man auch zwingend!? Wenn man eine gender-sensible, aber nicht gender-bestimmte Architekturgeschichte schreiben will, sollte man diese Realität auch mit einbeziehen. Noch heute wird das Schaffen von Architektinnen auch dadurch marginalisiert, dass mindestens eine der Annahmen für grundlegend erklärt wird: Es gibt große Einschränkungen und Hemmnisse aufgrund des Geschlechts, das Übernehmen bestimmter typischer Bauaufgabe, das Wirken im Schatten männlicher Partner und die beschriebene Person ist folglich eine besondere Ausnahmepersönlichkeit .
Keine der Annahmen trifft auf Hanna Löv zu. Das macht sie interessant.

Passfoto Hanna Löv, 1934
Passfoto Hanna Lövs aus dem Ausweis der Reichskulturkammer der Künste, 1934, AM-TUM
Ledigenwohnheim für Frauen, München 1931
Entwurfszeichnung, Kohle und Bleistift auf Transparentpapier, Architekturmuseum der TUM
Chemische Institute der Universität, Neubau, 1952
Entwurf, Ansichten und Schnitt, Architekturmuseum der TUM