DILEMMATA III

Marco Magliozzi
Anela Dumonjić
Milan Wagner
Professur
Nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land
Seminararbeit

Der menschliche Körper mit seiner einzigartigen Palette von Systemen ist Vermittler menschlicher Erfahrungen und direkter Kommunikationskanal zwischen unserem inneren Selbst und unserer Umwelt. Die Sinnesorgane Informationen übertragen in einer konstanten Schleife – aus der Umgebung über physischen Sinneswahrnehmungen zu unserer inneren Landschaft. Performance-Kunst ist ein Werkzeug, das direkt mit den Fähigkeiten des Körpers als Schnittstelle arbeitet. Entwerfer können damit ihr Körperbewusstsein entwickeln und Objekte, Gebäude und Städte mit einem Fokus auf der Erfahrung gestalten. Neue Erkenntnisse in der Psychologie und in den Neurowissenschaften helfen
Architekten und Planern dabei, den menschlichen Körper und seine über Jahrtausende gewachsenen Reaktionen auf die Umwelt besser zu verstehen.

Nachdem wir einige Erfahrung in der Interaktion mit Gebäuden durch Aufführungen gesammelt hatten, waren wir noch mehr gespannt, welche Art von Emotionen, Reflexionen und Wachstum uns unser zweiter gemeinsamer Tag bringen würde. Unsere erste Station war das Dominikuszentrum, das an sich schon ein aufregender Ort ist, an dem eine Vielzahl von Elementen in Bezug auf Materialität, Temperatur, Volumenzusammensetzung, Proportionen, Klang und Nutzung der Natur aufeinanderprallen. Der Innenhof, der die Atmosphäre eines kleinen, intimen öffentlichen Platzes hat, ist einerseits ein recht großer Raum mit einer behaglichen Leere, gleichzeitig aber auch ein kontrollierbarer Raum, gefüllt mit tektonischer Dynamik und Unterschieden. Wir haben den Raum umarmt und uns von ihm durch seine Komplexität führen lassen, indem wir den Mustern der Ziegelsteine folgten und uns an jedem einzelnen Stück zurechtfanden. Unser zweites Gebäude war der Dianatempel, der im Gegensatz zu unserem ersten Gebäude im Zentrum der Stadt liegt und obendrein ein sehr beliebter Ort ist. Obwohl wir wussten, dass wir einer großen Zahl von Menschen begegnen werden, haben wir während der Aufführung keine Angst oder Verlegenheit empfunden, im Gegenteil, es war ziemlich interessant und befreiend. Diese Offenheit bot uns die Möglichkeit zu sehen, dass sich einige Leute ein wenig Zeit nahmen, um uns zu beobachten, zu versuchen zu verstehen, was wir tun, und uns sogar gleich nachzuahmen. Das Ende unserer Reise war das Werk7 im Werksviertel, das in München einen ganz eigenen Charakter hat. Als wir durch das Gebiet liefen, sahen wir so viele Gelegenheiten zur Interaktion und wurden von der Schönheit und vor allem Rohheit der Gebäude ergriffen, aber am Ende entschieden wir uns rein nach unseren Gefühlen. Das Gebäude selbst gab uns Hinweise, wie wir es nutzen sollten, denen wir sofort folgten. Das Erlebnis selbst war im Vergleich zu unseren anderen eher kurz, da unser Zeitmanagement nicht wirklich so verlief, wie wir es geplant hatten, aber vielleicht ist es gerade deshalb so intensiv und spielerisch herausgekommen. Jeder machte immer das, was ihm am besten gefiel, es gab nie ein strenges Drehbuch, aber natürlich viel Sorgfalt, Zuhören und Ausprobieren, aber in diesem spezifischen Kontext wurden wir durch den relevanten Faktor Zeit eins mit dem Gebäude, wir passten uns seiner Spontaneität an und überraschten uns unterwegs. Für uns war dies ein besonders aufschlussreicher Moment, weil uns klar wurde, wie leicht wir eine enge Beziehung zu einem nicht lebendigen Wesen herstellen können.

DILEMMATA II
exterior space
centrum
DILEMMATA II
templum
DILEMMATA II
momentum
DILEMMATA II