Zukunftsbahnhof – ein neuer Bahnhof für Tuttlingen

Jana Calatrava
Professur
Raumkunst und Lichtgestaltung
Projektarbeit

Wie viele Bahnhöfe in Deutschland, steht auch der Tuttlinger Bahnhof größtenteils leer, ist für seine gegenwärtigen Zwecke zu überdimensioniert und finanziell kaum tragbar. Dennoch ist er ein wichtiger Haltepunkt und wird täglich von ca. 17.000 Pendler genutzt. Auch der Tuttlinger „Masterplan 2025“, welcher 2012 entstand und alle wichtigen Maßnahmen für Tuttlingens zukünftige Stadtentwicklung zusammenfasst, sieht eine Aufwertung des Bahnhofes und seines Umfeldes vor.
Der Tuttlinger Bahnhof grenzt nordwestlich an das Überflutungsgebiet der Donau mit Schrebergärten und ist über die Unterführung, welche zu den Gleisen führt, mit ihr verbunden. Nordöstlich wird der Bahnhofsplatz durch einen Wohnblock, südöstlich durch die B 311 und südwestlich durch eine Brachfläche, die als Parkplatz für die Aesculap Mitarbeiter dient, begrenzt.

Um eine sichere Wegführung zwischen der Innenstadt, dem Bahnhof und der Donau zu schaffen, wurden die zwei bestehenden Unterführungen miteinander verknüpft, erweitert und als Rad- und Fußgängerwege ausgebildet. Dabei verbindet der vertikal gerichtete Weg die Donau, die Gleise, den Bahnhof und das Aesculap-Firmengelände miteinander und der horizontale Weg die Innenstadt mit der Möhringer Vorstadt. Die Unterführungen wurden zudem durch ein Unterdeck, welches als Tiefgarage unterhalb des Bahnhofplatzes dient, erweitert. Das Unterdeck, welches sich auf der Donauebene befindet, drückt sich, wie an den Gleisen, zur Straße hin nach oben. Dadurch werden das Unterdeck und der Weg natürlich belichtet und belüftet, bekommt einen einzigartigen Charakter und verleiht Tuttlingen einen repräsentativen Ortseingang.

Das Bahnhofsgebäude soll als repräsentative Architektur am Ortseingang stehen, weshalb der Blick auf das Gebäude frei bleiben muss. Um das Erscheinungsbild des Bahnhofes zu stärken, werden die eingeschossigen Anbauten des Bahnhofes, sowie der hintere Teil des ersten Obergeschosses aufgestockt. Der Bahnhofsplatz wird links mit Bushaltestellen, Taxistellplätzen und Kiss & Ride Parkplätzen bespielt, wodurch der Platz vor dem Bahnhofsgebäude verkehrsberuhigt bleibt und von den Bahnhofsbesuchern genutzt werden kann.

Das Raumprogramm des Bahnhofgebäudes wurde sowohl an die unterschiedlichen Nutzer als auch an die Besitzer angepasst. Um auf die stetig wechselnden Anforderungen an einen Bahnhof reagieren zu können, wurde das Gebäude auf seine Tragstruktur zurück gebaut. Dadurch sind sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten und zweiten Obergeschoss flexibel (um-)nutzbare Räume entstanden. Das Erdgeschoss dient der Bahnhofsnutzung und ist offen und einladend gestaltet. Das erste Obergeschoss ist halböffentlich und in größere Raumabschnitte eingeteilt, welche Ausstellungsflächen und Seminarräume beherbergen. Die zwei Flügel sind durch eine Brücke miteinander verbunden, welche einen direkten Blick in die Bahnhofshalle ermöglicht. Das zweite Obergeschoss sieht eine private Nutzung durch eine Pension vor und ist in kleine Zimmer mit Bad eingeteilt.

Der Altbau zeigt sich wieder als rote Mauerwerksfassade und sticht dadurch als markantes Gebäude heraus. Die Aufstockung zeigt sich nach innen als Betonfassade und ist nach außen mit Cortenstahl Lamellen verkleidet, welche aus bestimmten Blickwinkeln geschlossen wirken und dadurch die Massivität des Gebäudes unterstreichen. Zudem passen sie sich mit ihrem Farbton an das rote Mauerwerk an und weisen auf die frühere industrielle Nutzung von Bahnhöfen hin.

Perspektive
Blick auf Bahnhofsgebäude mit Einschnitten
Lageplan
Platzgestaltung mit Blick auf Ausgänge der Unterführung
Untergeschoss
Verknüpfung der Unterführungen mit Erweiterung durch Unterdeck
Perspektive
Natürliche Belichtung und Belüftung des Unterdecks durch Einschnitte
Grundriss + Ansicht
Erdgeschoss mit Südwest- und Südostansicht
Perpektive
Empfangshalle mit Infopoint