Speicher der Erinnerungen-zwischen Absenz und Präsenz

Professur
Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

Verborgen unter einer großen Grünfläche im Stuttgarter Osten befindet sich eine stillgelegte Trinkwasserspeicheranlage. Ein massives Tonnengewölbe und feine Stützen mit Kapitellen prägen das Innere der alten Speicherkammern. Die über 100-jährige Speicherung des Wassers hinterlässt eine besondere Farbigkeit und Patina und macht die Räume einzigartig. Oberirdisch ist das Bauwerk kaum wahrnehmbar und die Nebengebäude fügen sich unauffällig in ihre Umgebung ein.
Nach über 100 Jahren Absenz soll der Wasserspeicher sichtbar und erlebbar werden. Die historische Bausubstanz sowie die sakrale Atmosphäre werden aufgegriffen und Neues hinzugefügt. Mit der neuen Nutzung eines Kolumbariums und zwei Trauerhallen wird aus dem Wasserspeicher ein ‚Speicher der Erinnerungen‘, in dem Absenz und Präsenz gleichermaßen wahrnehmbar sind.

Der Zugang zum ‚Speicher der Erinnerungen’ erfolgt über eine großzügige Treppen- und Rampenanlage, die den grünen Hang hinauf zu einer großen, baumbestandenen Terrasse führt. Ein von Säulen gestütztes, überkragendes Dach bildet das Tor zur Gesamtanlage des Speichers.
Entlang eines Wasserlaufs, der durch die gesamte Anlage führt, betritt man den Stützenwald. Hier befinden sich die Trauerhallen mit dem jeweils dazugehörigen Tiefhof. Ein umlaufendes Wasserbecken und Oberlicht schaffen Distanz und lassen die Umrisse der Trauerhalle im Tageslicht erscheinen. Vorhänge lassen im geschlossenen Zustand erst den Raum des Abschieds entstehen und strahlen Wärme und Geborgenheit aus. Das Mobiliar ist um das quadratische Oberlicht orientiert, welches mit seinem Licht die Konzentration auf das Wesentliche legt: die Urne.
Die zwei Speicherkammern mit der Struktur des Tonnengewölbes beinhalten das Kolumbarium. Hier werden innerhalb der Struktur additive Strukturen hinzugefügt. In den massiven Außenwänden werden Gemeinschaftsgräber oder Wassernischen subtraktiv eingefügt und das Tageslicht mit Oberlichtern nach unten geführt.
Die reihenartige Struktur wird aufgegriffen und die drei bestehenden Hauptachsen neu definiert. Im Bereich der Tonnengewölbe befinden sich die ‚Achsen der Erinnerungen‘ mit additiven Strukturen für die Einzelgräber. An die Stützpfeiler sind Urnenstelen aus Bronze angestellt, an deren Seiten sich Ablageplatten für Trauerhandlungen befinden. Gegenüber der Urnenstelen befinden sich Sitzplätze aus Eiche, die dem Trauernden die Möglichkeit zur persönlichen Zwiesprache bieten. Senkrecht zu den ‚Achsen der Erinnerungen‘ verlaufen die ‚Achsen des Lebens‘, welche von Wasserläufen und Trauergaben gestaltet werden. Die Andachtswand dient dem stillen Gedenken und Trauerritualen und ist mit den Elementen des Wassers und Lichts als Zeichen des Lebens gegenwärtig.
Nach dem Besuch des ‚Speichers der Erinnerungen‘ erreicht man über Treppen und Aufzüge den ‚Garten des Lebens‘ oberhalb der Zisterne. Zwischen Blumenwiesen, Sträuchern und Bäumen bewegt man sich zurück ins Licht – zurück ins Leben. Hier lädt das neue Café im ehemaligen Maschinenhaus zu einem Aufenthalt ein.
Mit der Neugestaltung des Wasserspeichers zum ‚Speicher der Erinnerungen‘ bleibt die historische Bausubstanz würdevoll erhalten, weitere Erinnerungen und Geschichten kommen hinzu und verknüpfen sich mit den Elementen des Lebens: Wasser, Licht und Natur. Der ‚Speicher der Erinnerungen – zwischen Absenz und Präsenz‘ ist ein würdevoller Ort, der Erinnerungen bewahrt, Verbindungen schafft und Raum für Neues bietet.

Trauerhalle Außen
Perspektive
Trauerhalle Innen
Perspektive
Entwurf Speicher der Erinnerungen
Axonometrie
Stützenwald
Schnitt
Kolumbarium Diagonale
Perspektive
Kolumbarium Andachtswand
Perspektive