Gemeinden anders entwickeln

Magdalena Schmidkunz
PublikationProfessur
Raumentwicklung
Forschungsarbeit

Während die Ziele der Nachhaltigkeit klar sind, wird deren Umsetzung kontrovers diskutiert. Technologische und ökonomische Innovationen scheinen nicht auszureichen, um sozialen und ökologischen Herausforderungen moderner Gesellschaften zu begegnen. In verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen wird deshalb eine erweiterte Betrachtung des Innovationsbegriffs gefordert. Vor allem sogenannten Sozialen Innovationen wird eine große Bedeutung zugesprochen. Sie stellen die Verhaltensänderungen einzelner Akteur*innen und sozialer Subsysteme in den Fokus. Auch in der Stadt- und Raumplanung werden Ansätze Sozialer Innovation sowie deren Potenziale für die kommunale Entwicklung diskutiert. Hier setzt die Thesis an und beleuchtet den Beitrag Sozialer Innovationen zu einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung in ländlichen Räumen.

Eine anhaltend hohe Flächeninanspruchnahme und die daraus resultierenden Folgen sowie strukturelle Veränderungen stellen ländliche Räume unabhängig von ihrer Lage vor große Herausforderungen. Innovative Konzepte für räumliche Lösungen, die zu einer nachhaltigen und gemeinwohlorientierten Siedlungsentwicklung beitragen, sind sowohl in der Theorie als auch in der Praxis vorhanden, zeigen jedoch nicht ihre gewünschte Verbreitung. Gründe hierfür sind unter anderem das Scheitern von Top-down-Lösungen sowie ein Innovationsparadigma, das den Fokus auf technische und ökonomische Lösungen setzt. Das Konzept Sozialer Innovation bringt das Potenzial mit sich, diese begrenzte technokratische und ökonomische Sichtweise durch eine dynamischere und akteurszentrierte Perspektive zu erweitern. Soziale Innovation verdeutlicht, dass offene Prozesse und die konkreten Akteurskonstellationen auf kommunaler Ebene entscheidend für die erfolgreiche Entwicklung und nachhaltige Umsetzung kontextsensitiver und damit tragfähiger Lösungen sind. In der vorliegenden Forschungsarbeit werden Schlüsselfaktoren der Umsetzung nachhaltiger Innenentwicklungsprojekte dargestellt und mit den Kernelementen des Konzeptes Sozialer Innovation abgeglichen. Die untersuchten Gemeinden befinden sich in verschiedenen, ländlich geprägten Räumen innerhalb Bayerns und wurden für erfolgreiche Maßnahmen und Projekte der Innenentwicklung ausgezeichnet. Es konnte festgestellt werden, dass sich Soziale Innovation in den Kommunen hauptsächlich durch veränderte Rollen der verschiedenen Akteur*innen zeigt. Zivilgesellschaftliche Akteur*innen agieren als Treiber und Initiatoren von Umsetzungsvorhaben, Kommune und Expert*innen dienen als Ermöglicher*innen und Unterstützer*innen. Diesen Prozessen geht häufig eine grundsätzliche Veränderung der Entwicklungsrichtung der Kommune voraus, welche stark von Einzelpersonen beeinflusst wird. Die dadurch entstandenen Lösungen, aber vor allem die Prozesse innerhalb derer sie entstanden sind, beinhalten Aspekte, die der Sozialen Innovation zuzuordnen sind. Gleichzeitig stehen sie stark in Zusammenhang mit klassischen Instrumenten der Innenentwicklung. Die Kombination der vorhandenen Instrumente mit neuen Handlungsweisen konnte als zielführend identifiziert werden. Das Konzept Sozialer Innovation beinhaltet eine Vielzahl an Aspekten, die auf kommunaler Ebene zu einer vor allem sozial nachhaltigen Siedlungsentwicklung beitragen können. Gleichzeitig ersetzten diese nicht erforderliche stärkere Regulierungen von höheren staatlichen Ebenen. Nur durch die Kombination von Top-Down- und Bottom-Up-Ansätzen kann eine sowohl qualitativ als auch quantitativ nachhaltige Siedlungsentwicklung gelingen.

Gemeinden anders entwickeln - Aidhausen, Kirchanschöring, Weyarn
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz
Konzept Soziale Innovation - Analyserahmen
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz
Auswahl der Untersuchungsorte nach verschiedenen Raumtypen
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz
"Wohnen am Klosteranger" in Weyarn
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz
Zeitstrahl des Untersuchungsortes Weyarn
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz
Zusammenspiel der einzelnen Elemente Sozialer Innovation auf kommunaler Ebene
München, 2021 © Hölzl, Schmidkunz