Fragen der Kirchenumnutzung II

Emanuel Etzersdorfer
PublikationProfessur
Städtische Architektur
Forschungsarbeit

Die vorliegende Masterthesis „Fragen der Kirchenumnutzung II – Ein Versuch der Einordnung“ zeigt den Versuch, zur Disposition stehende Kirchengebäude kategorisch einzuordnen, um ihnen schlussendlich in Frage kommende Nachnutzungen zuordnen zu können. Basierend auf überwiegend sachlich-architektonischen Beurteilungskriterien ist ein Kompendium entwickelt worden, das betroffenen Gemeinden zukünftig als Entscheidungshilfe bei der Suche nach neuen Nachnutzungen für ungenutzte Kirchengebäude dienen kann. Dabei kann das entstandene Regelwerk als kreativer Anstoß für neue Denkmöglichkeiten in einer als ansonsten oftmals konservativ, festgefahren und gleichzeitig heikel eingeschätzten Thematik verstanden werden.

Die Masterthesis „Fragen der Kirchenumnutzung II – Ein Versuch der Einordnung“ ist die Fortsetzung der im WS 19/20 bei Prof. Dr. Erben am Lehrstuhl für Theorie und Geschichte von Kunst, Architektur und Design entstandenen theoretischen Grundlagenarbeit zum Thema Kirchenumnutzung. Während die vorangestellte Arbeit einen breiten Überblick über die vielschichtige Thematik geben sollte und sich vor allem mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigte – beispielsweise, wieso gegenwärtig so viele Kirchengebäude dem Leerstand verschrieben sind und des Öfteren trotzdem keiner neuen Nutzung zugeführt werden – liegt der Fokus der vorliegenden Masterthesis auf architektonischen Untersuchungen der Kirchengebäude, des damit verbundenen Kirchenraumes, und befasst sich überwiegend mit der Suche nach möglichen Nachnutzungen. Dabei wurde die bereits zu Beginn der vorangestellten Arbeit aufgeworfene Frage durchgängig verfolgt, ob es möglich ist, eine verallgemeinernde Aussage zur Art einer Kirchenumnutzung zu entwickeln.
Für die vorliegende Masterthesis galt die Herangehensweise einer Umnutzung des Bestandsgebäudes ohne gravierende architektonische Eingriffe aus mehreren Gründen als besonders interessant. Einerseits wird dadurch Rücksicht auf die meist denkmalgeschützten Kirchengebäude genommen, bei denen es sich oftmals um wertvolle geschichtliche Zeugnisse der Vergangenheit handelt. Andererseits erscheint eine Umsetzung aufgrund der geringen Kosten realistischer als vergleichsweise bei baulich aufwendigen Umnutzungen. Zudem ist anzumerken, dass eine Spannung bei Umnutzungen oftmals erst durch „die alte Form mit neuem Zweck“ entsteht. Die Hauptaspekte der vorliegenden Arbeit basieren auf einer Annäherung an eine „Umnutzungsanleitung“ von zwei Seiten. Zum einen geht es um eine sachliche Analyse von Raumnutzungen, welche einen Überblick über allgemeine Nutzungsmöglichkeiten im Innenraum geben soll. Zum anderen ist eine Möglichkeit entstanden, Kirchengebäude unter verschiedenen Aspekten, wie beispielsweise formalen, städtebaulichen und den Innenausbau betreffenden, kategorisieren zu können, um ihnen letztendlich in Frage kommende Nutzungen zuordnen zu können. Ausgewählte Umnutzungsbeispiele wurden mithilfe abstrakter Perspektiven veranschaulicht, nachdem sie zuvor der entstandenen Kircheneinordnung unterzogen wurden. Dabei wurden Vorschläge gemacht, auch Einrichtungsgegenstände „um- bzw. weiterzunutzen“, um den Kirchenraum nicht lediglich als leere Raumhülle zu betrachten, sondern ihn als Reservoir von Kunst und Architektur zu verstehen. Das entstandene Kompendium kann somit als zukünftige Entscheidungshilfe und als Denkanstoß für neue, bisher unbeachtete Nutzungsmöglichkeiten dienen.

Perspektive Usseln
Nachnutzung Hallenbad
Perspektive Innenraum Kirche St. Marien, Viernheim (Bistum Mainz)
Kanzel - Bademeistersitz
Detailskizze Innenraum Kirche St. Marien, Viernheim (Bistum Mainz)
Grundriss
Grundriss Kirche St. Marien, Viernheim (Bistum Mainz)