Eurotopia – reconfiguring european representation

Professur
Urban Design
Forschungsarbeit

Das Europäische Parlament steckt in einer Repräsentationskrise – und mit ihr die Architektur. Zunehmender Veränderungsdruck geht sowohl von einer sich immer stärker individualisierenden Gesellschaft als auch von einem interdependenten Geflecht aus internationalen Unternehmen, NGOs und Institutionen aus. Wie kann das Parlament vor diesem Hintergrund eine europäische Öffentlichkeit formen, die es so dringend zur Legitimation braucht?

Dieser Fragestellung geht »Eurotopia« auf den Grund. Anhand der Repräsentationsarchitektur des Parlaments nährt sie sich dem Ursprung dieser Krise und entwickelt davon ausgehend eine Perspektive für die Zukunft. Wird das Parlament zu einem simulativen touristischen Erlebnisraum oder zu einer digital-urbanen Plattform der bürgerlichen Selbstrepräsentation? Mehr unter eurotopia.mxst.eu

Die Arbeit »Eurotopia« geht der Krise der Repräsentationarchitektur des Europäischen Parlaments und der Europäischen Union auf den Grund. Ihre Konfiguration ist hier nicht nur Symptom konkurrierender Konzeptionen von räumlichen Ordnungsprinzipien sowie divergenten Rollenbildern von Repräsentant*innen und Repräsentierten. Vielmehr wird Architektur in der Frage von Verortung und Ausgestaltung aber auch in ihrer Funktionalität und Zugänglichkeit beziehungsweise Unzugänglichkeit zu einem Politikum.

Die schiere Zahl von sechs bisherigen Parlamentsgebäuden des Europäischen Parlaments in seiner 70 jährigen Geschichte zeigt, so die These der Arbeit, dass klassische Formen von Repräsentation durch Architektur, die sich insbesondere aus der Gründung der Nationalstaaten heraus etablierten, keine adäquaten Antworten mehr auf die repräsentativen Anforderungen supranationaler Institutionen geben können. In diesem Kontext wirft der im März 2020 ausgelobte Wettbewerb für ein weiteres europäisches Parlamentsgebäude in Brüssel Fragen des transformativen Potentials einer solchen Großarchitektur in der vermeintlichen Hauptstadt Europas auf. Denn nicht zuletzt durch Kleinstarchitekturen in den jeweiligen Hauptstädten Europas, den sogenannten »Europa Experiences« etabliert das Europäische Parlament seit 2016 eine völlig neue Form repräsentativer Architekturen, die sich von klassischen Prinzipien repräsentativer Architektur verabschiedet. Sie entkoppelt die Räume der Repräsentation von den Räumen der politischen Produktion. Losgelöst von den partikularisierten und unzugänglichen Verhandlungsräumen des Parlaments wird der politische Prozess zu einem konsumierbaren Erlebnis überhöht.

Die Analyse der zeitgenössischen Veränderungen dieser Repräsentationsarchitekturen werden in der Arbeit durch eine Verbindung mit politikwissenschaftlichen Theorien sowie durch Gespräche mit Verantwortlichen des Parlaments, Architekten der Repräsentationsarchitekturen und Politikwissenschaftler*innen kontextualisiert.

Ausgehend von dieser Analyse zeichnet die Arbeit eine mögliche Zukunft nach, die insbesondere die Dezentralität der Union als neue Form eines politisch räumlichen Ordnungsprinzips konsequent über verschiedene Maßstabsebenen durchdenkt. Dabei wird deutlich, dass durch simple Manipulationen und Rekonfiguration gelernter Repräsentationsmuster in der Architektur eine nachhaltige Transformation europäischer Repräsentation möglich ist. Wird das Parlament zu einem simulativen touristischen Erlebnisraum oder zu einer digital-urbanen Plattform der bürgerlichen Selbstrepräsentation? Diese Frage gilt es zu verhandeln, denn wenn eines feststeht, dann, dass sich die Repräsentation des Parlaments verändern wird.

Civil Society Forum
Die Erweiterung der Europa Experiences zur Aneignenbarkeit durch die Bürger*innen.
Geschichte der Parlamentsgebäude
Kann ein siebtes Parlament die Antwort auf die Repräsentationskrise sein?
Europa Experience als Multiplikator
Die Europa Experiences werden zu Multiplikatoren einer neuen Infrastruktur.
Virtuelle Transparenz
Diese Infrastruktur wird zu einem Ermächtigungswerkzeug der bürgerlichen Selbstrepräsentation.
Auflösung der Hauptstädte
Dezentrale Infrastrukturen dekonstruieren europäische und nationale Hauptstädte.
Raum der Europäischen Gemeinschaft
Aus der Verteilung der Infrastruktur ergibt sich eine völlig neue europäische Gemeinschaft.