Ein Stadtteillabor an der Trabrennbahn

PublikationProfessur
Urban Design
Projektarbeit

Um den stagnierenden Stadtentwicklungsprozess im Münchner Nordosten partizipativer und koproduktiver zu gestalten, soll ein Stadtteillabor an der Trabrennbahn entstehen. Das Stadtteillabor ist eine intermediäre Unterstützungsstruktur, die in einem gemeinsamen Prozess die unterschiedlichen Ressourcen im Quartier bündelt, zusammenführt und neu verknüpft, um damit den Stadtentwicklungsprozess partizipativer und kooperativer zu gestalten.

Diese Masterthesis möchte eine alternative Fortschreibung des aktuellen Stadtentwicklungsprozesses des Münchner Nordosten aufzeigen und dabei sowohl die Funktionsweise und Prozessgestaltung eines Stadtteillaborprozesses erläutern, als auch über einen angewandten Entwurf die städtebauliche und architektonische Umsetzung eines Stadtteillabors (an der Trabrennbahn) veranschaulichen.

Was ist ein Stadtteillabor?

Ein Stadtteillabor ist ein Ort der sozialen Innovation und interdisziplinären Kooperation, mit dem Ziel, durch die aktive Koproduktion von Bürger*innen, der Stadt und anderen Akteur*innen Lösungen und Maßnahmen für eine nachhaltige und alltagsnahe Stadtentwicklung zu gestalten. Dabei kann das Stadtteillabor als vernetzende Plattform, bzw. bauliche Unterstützungsstruktur, über gemeinsame Projekte und (Arbeits-)prozesse die verschiedenen Ressourcen im Quartier bündeln, zusammenführen und neu verknüpfen.

Der dazugehörige allgemeine Handlungsleitfaden für die Umsetzung eines Stadtteillaborprozesses wird unter der Rubrik „Wie sozialgerecht ist unsere Architektur?“ vorgestellt (http://aja-tum.mediapool-kunden.de/sozialgerecht/stadtteillabore-ein-handlungsleitfaden/).

Ein Stadtlaborprozess für den Münchner Nordosten

Der Münchner Nordosten ist ein sehr bedeutendes, aber höchst umstrittenes Stadtentwicklungsprojekt in München, bei dem im Laufe der nächsten Jahrzehnte Wohnraum für bis zu 30.000 Menschen entstehen soll. Im Laufe der Zeit haben sich sehr gegensätzliche Meinungen zur Entwicklung des Stadtteils gebildet, die sich teilweise hoch emotionalisiert in gegnerischen Bündnissen formiert haben und deren Kompromisslosigkeit den Stadtentwicklungsprozess behindert.

Ein Stadtteillabor kann hierbei einen Richtungswechsel bieten und das Projekt aus der kommunikationshindernden Sackgasse herausführen, indem es eine neue gleichberechtigte und koproduktive Diskurskultur ermöglicht. Der Stadtteillaborprozess erweitert den Handlungsspielraum in der Stadtentwicklung, indem er zwischen den Konfliktparteien vermitteln und neue Aushandlungsprozesse lokal initiieren und unterstützend begleiten kann. Indem das Stadtteillabor alle (auch gegnerische) Akteur*innen des Siedlungsprojekts in den Prozess integriert, kann in einem neutral moderierten, konstruktiven Diskurs das Gemeinwohl des Stadtteils ganzheitlich definiert und zugleich der kontextuelle Kompetenzpool zur Stadtteilentwicklung erweitert werden. Dadurch können nutzerzentrierte, nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen für die lokale Stadtentwicklung gefunden werden, um ein sozialgerechtes und resilientes Quartier zu bilden.

Mögliche partizipative Nachbarschaftsprojekte und ein Actionplan sind im pdf zu finden.

Die Waldbühne vor der Kulisse des Stadtteillabors
München, 2020 © Tanja Gerum
Blockade im derzeitigen Stadtentwicklungsprozess des MNO
München, 2020 © Tanja Gerum
Richtungswechsel: Stadtentwicklungsprozess mit Stadtteillabor im MNO
München, 2020 © Tanja Gerum
Rahmenplan für das ehemalige Stallareal der Trabrennbahn
München, 2020 © Tanja Gerum
Einblick in das neue Stallareal mit dem Stadtteillabor
München, 2020 © Tanja Gerum
Funktionelle Raumaufteilung des Stadtteillaborgebäudes
München, 2020 © Tanja Gerum