Die Sortieranlage am Münchner Großmarkt

Professur
Entwerfen, Umbau und Denkmalpflege
Projektarbeit

Wie wird möglich, was gesellschaftlich gewünscht und ökologisch geboten ist, doch ökonomisch kaum umsetzbar scheint? Die Arbeit untersucht unsere Beziehung zum Vorhandenen und bietet eine Strategie zum Umgang mit vermeintlich Obsoletem.

Die Anziehungskraft der Ballungszentren, der kontinuierliche Strukturwandel in der Industrie, gestiegene Ansprüche an die Haustechnik und nicht zuletzt unsere eigene Inanspruchnahme von immer mehr Wohnfläche pro Kopf setzen jedes vorhandene Gebäude unter Druck, stellen es zur Disposition. Doch die gängige Praxis aus Abriss und Neubau kann schon angesichts des kulturellen und ökologischen Verlusts nicht die Lösung sein.

Gut 100 Jahre nach ihrem Bau entsprechen auch die Münchner Großmarkthallen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Der kürzlich vom Stadtrat beschlossene Umzug stellt das Areal und die historischen Bauten nun vor große Veränderungen. Direkt an der Schwelle zwischen Wohngebiet und Marktgelände liegt seit 1926 auch die ehemalige „Obstsortieranlage“. Zunächst zum händischen Aussortieren beschädigter Früchte errichtet, beherbergt der dreieckige Baukörper heute neben kleineren Läden vor allem noch Lager- und Kühlflächen. Das weit größere Potential der städtischen Anlage blieb jedoch mit Verweis auf ökonomische Risiken bisher ungenutzt.

Die Arbeit nimmt nun den baldigen Leerstand der Sortieranlage vorweg und zeigt sowohl architektonisch als auch wirtschaftlich, wie der identitätsstiftende Bau erhalten und einer zeitgemäßen Verwendung zugeführt werden kann. Die freiwerdenden Gebäudeabschnitte werden dazu ertüchtigt und bieten Raum für Gastronomie und eine Kindertagesstätte. Ein neuer Hofzugang ermöglicht die Durchquerung der Anlage und schafft gleichzeitig den notwendigen zweiten Fluchtweg. Das umlaufende Vordach dient als baulicher Schutz vor Sonne und Witterung und fasst den Innenhof in seiner räumlichen Gesamtwirkung zusammen. Auf dem Fußabdruck des vorhandenen sechseckigen Flachbaus markiert ein Neubau das Zentrum der Anlage und ergänzt ihr geducktes Profil um einen Hochpunkt. Hier entstehen zusätzliche Büroflächen, deren Vermietung den Umbau der Anlage erst finanziell ermöglicht. Im Gegensatz zu einer reinen Bestandssanierung verspricht diese Strategie bei zunächst höheren Baukosten eine deutlich raschere Amortisation der Investition und erfüllt damit die Finanzierungs-Voraussetzungen der Stadt München.

Fotografie um 1930: Ambulante HändlerInnen im Innenhof der Sortieranlage, Blick nach Südosten
Stadtarchiv München, Fotosammlung Stb. Märkte 0135
Blick durch den neuen Zugang in den Innenhof der Sortieranlage
Quirin Goßlau
Bürofläche im Neubau, im Hintergrund die historischen Großmarkthallen
Quirin Goßlau
Nördlicher Gebäudeteil in der Abenddämmerung
Quirin Goßlau
Schnitt durch die Anlage, Blick nach Süden
Quirin Goßlau
Grundriss der Anlage, Ergänzungen in Rot
Quirin Goßlau