Die Freie Mitte

Laura Betz
Professur
Urban Design
Projektarbeit

Was ist die Zukunft der Theresienwiese, was die Zukunft des öffentlichen Raums? Was heißt nutzungsoffen, wandlungsfähig und multifunktional im Kontext einer resilienten Großstadt? Was braucht es an Architektur, wenn sich auf den Wunsch nach hyperflexiblen Räumen die Leere als radikales Ultimo abzeichnet? Auf diesen Gedanken aufbauend widmet sich die Arbeiten dem Thema der Urbanen Brache, der Urban Void, und plädiert für eine Freie Mitte mit dichter Randinfrastruktur.

Der neue Randbereich besteht aus zwei Komponenten, einer landschaftlichen und einer baulichen Struktur, welche ineinander verwoben sind und der ThW als Rückgrat dienen. Drei neue, öffentliche Gebäudestrukturen sind dabei wie auf einer Perlenkette entlang des Randbereichs aufgereiht und gliedern sich in die Bereiche Präsentation (im Norden der ThW mit Ausstellungsräumen und Lesesaal), Produktion (im Osten mit Werkstätten und Studioräumen) und Performance (einer Multifunktionshalle für Sport und Theater im Süden). Diese sogenannten Akteure werden durch ein neu gestaltetes Wegesystem miteinander verbunden. Formal nach dem Prinzip einer Doppelhelix gestaltet, steigen die geschwungenen Wege an ausgewählten Zugängen auf die ThW zu einer Brücke an, werden zu einer Art Torbogen und eröffnen gleichzeitig aus erhöhter Position den weiten Blick auf das freie Feld. Der belebte Rand folgt nunmehr dem Prinzip Ebbe und Flut. Bei Großveranstaltungen nimmt sich dessen Aktivität ausgehend von den Akteuren zurück, um sich später wieder in die freie Fläche auszubreiten. Dieser Effekt kann durch die Umsetzung temporärer, bürgerinitiierte Projekte unterstütz werden, welche thematisch an die Akteure anknüpfen und den Zeitraum zwischen den Großveranstaltungen bespielen. Als neuer alternativer öffentlicher Raum ist die ThW somit in der Lage, das Spektrum Freiraum radikal zu erweitern. Radikal, weil sich der Entwurf entsprechend der freien Mitte lediglich um eine stimulierende Struktur im Randbereich bemüht. Alternativ, da diese neue Struktur eine organisierte Mehrfachkodierung der Fläche ermöglicht und letztlich der ThW dazu verhilft sich losgelöst von der Dominanz des Oktoberfests, als eigenständiges Freiflächenreservoir in München zu etablieren.

1
Die Freie Mitte
2
Flut
3
Ebbe
4
Akteur im Süden
5
Panorama Nord
6
Helix