Zurück in die Zukunft – Ein Lernzentrum für die LMU

Hannah Horn
Maximilian Lewark
Professur
Städtische Architektur
Projektarbeit

Aufgabe des Entwurfsstudios war die Entwicklung eines Learning Centers für die LMU. Wir haben früh für uns definiert, dass wir den Wissenserwerb zukünftig vor allem im Austausch sehen und weniger im isolierten Aneignen. Wir möchten also Räume schaffen, die Interdisziplinarität und Kommunikation fördern, die dabei niederschwellig sind und nicht kommerziell. Gleichzeitig sollen Sie in der Lage sein, auf unterschiedliche Entwicklungen in der Lehre einzugehen und verschiedensten Methoden Raum zu geben. Dem Buch wird kein gesonderter Platz mehr eingeräumt. Es wird ein Medium unter vielen. Diese Frage nach dem Lernen der Zukunft verband sich dann mit der Frage nach dem Bauen der Zukunft. Denn auf dem von uns gewählten Grundstück an der Kaulbachstraße haben wir ein Bestandsgebäude vorgefunden.

Dieses auf den ersten Blick wenig attraktive Gebäude wird aktuell bereits von der LMU genutzt. Doch bei genauerer Betrachtung kann das Ensemble, was wir auf dem Grundstück vorfinden, all das anbieten, was wir von einem modernen Learning Center erwarten. Daher bleibt unser Entwurf vollständig auf dem bisherigen Abdruck des Bestands. Wir arbeiten mit der bestehenden Struktur und entwickeln sie weiter.

Um das Potential der Räume im Altbau zu entfalten, bauen wir ihn bis auf den Rohbau zurück. Aus den verschachtelten Zimmern wird so eine große Halle. Denn die Qualität liegt für uns in der Nüchternheit des Strukturbaus der 60er Jahre mit einer prägnanten Doppelstützenreihe in Stahlbeton. Strukturell nehmen wir am Altbau zwei klar definierte Eingriffe vor. Wir brechen den Mittelgang auf und entfernen die Brüstungen, um in der Mittelzone eine Zweigeschossigkeit und Tiefe zu erreichen und auch in der Außenwand auf die Tragstruktur zurückzubauen. Mit diesen Eingriffen erhalten wir optimale Räume für studentische Arbeitsplätze im Co-Working-Stil, die sich auf den vier Geschossen des Altbau Riegels befinden. Auch den Anbau im Hof erhalten wir als bestehende Option eines frontalen Vorlesungssaals. Die alten Volumen erweitern wir um 2 Säle aus leichten Stahlkonstruktionen mit neuen räumlichen Qualitäten. Über die zwei Volumen stülpt sich eine hüllartige Fassade mit einem öffentlicheren und der neuen Nutzung angemessenen Auftritt in der Kaulbachstraße.

Für uns steht der Entwurf nicht nur in Bezug auf einen Bildungsbau für ein Update. Es sollte in Zukunft bei wirklich jedem vorhandenen Bestandsgebäude umfangreich geprüft werden, ob ein Abriss zwingend notwendig ist. Und das nicht nur aus Gründen der ökologischen Nachhaltigkeit und eines Effizienzgedankens. Die Architektur der 50er und 60er Jahre wird in unseren Städten nur selten wirklich wertgeschätzt. Wir sind jedoch der Meinung, dass man mit wenigen gezielten Eingriffen, Räume schaffen kann, die gerade durch die Nüchternheit ihrer Struktur eine hohe Qualität bieten. In unserem speziellen Fall werden so aus kleinen verschachtelten Raumzellen multifunktionale Räume zum Lernen mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Kommunikativ, informell, eigenständig.

Raumeindruck Lernzone
Co-Working-Bereiche im Bestandsriegel
Axonometrie Struktur
Schwarz=Bestand, Gelb=Abbruch, Rot=Ergänzung
Raumeindruck Vortragsraum
Neue Stahlkonstruktion auf dem Bestand
Querschnitt
Ergänzung der Bestandsstruktur um zwei Säle mit neuen räumlichen Qualitäten
Fassade
Perforiertes Aluminium Trapezblech mit Drehelementen als neue Hülle der Struktur
Außenperspektive
Neuer Auftritt in der Kaulbachstraße