The Academic Third Space

Professur
Raumentwicklung
Forschungsarbeit

Die Wirkung interdisciplinärer Lehre an Hochschulen
auf soziotechnische Innovationen in der Stadtentwicklung

Der Stadtentwicklung kommt aufgrund weltweiter Urbanisierung eine besondere Bedeutung bei der Lösung drängender ökonomischer, sozialer und ökologischer Herausforderung zu. Statt der Wiederholung etablierter Planungs- und Entwicklungspraktiken bedarf es der Transformation von Stadtentwicklung durch sozio-technische Innovationen. Die Dissertation untersucht, in welcher Form Interdisziplinarität in der universitären Ausbildung einen Beitrag leisten kann, Stadtentwicklung innovativer und transformativer zu gestalten.

Den Ergebnissen liegt eine systemische Betrachtung der universitären Ausbildung und relevanter Berufsfelder zugrunde. Die Arbeit untersucht die Curricula von 28 Studiengängen mit einem vertieften Blick auf projektbasiertes Lernen und stützt sich auf 22 qualitative Interviews mit Arbeitgebern. Die Erhebungen wurden in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Irland durchgeführt. Die Arbeit ist in englischer Sprache verfasst.

Zentrale Erkenntnis ist, dass etablierte Lehr- und Lernmodelle den komplexen Realitäten der Umwelt nicht gerecht werden. Die zunehmende disziplinäre Ausdifferenzierung an Universitäten erschwert den Blick auf systemische Zusammenhänge. Querschnittsorientierten Studiengängen wie der Stadtplanung fehlt es an inhaltlicher Tiefe in Einzelbereichen, um neben der Durchsetzung vorhandener Konzepte gänzlich neue Handlungsmuster in die Stadtentwicklung einzuführen. Deshalb bedarf es neben den vorhandenen disziplinären Strukturen neuer praxisnaher Lernformate, welche das gemeinsame Lernen von Studierenden über disziplinäre Grenzen hinweg fördert.

Die Arbeit entwickelt aus dieser Überlegung heraus den akademischen dritten Raum. Dieser dient der Erlangung von Fähigkeiten zu Entwicklung praxisnaher Innovationen und ergänzt die etablierten Wissensbildungsprozesse disziplinärer Lehre. Bei der Entwicklung neuer interdisziplinärer Lernformate kann zum Teil auf Erfahrungen aus projektbasierter Lehre und praxisnahen Reallaboren zurückgegriffen werden. Jedoch sind darüberhinaus erhebliche strukturelle Ergänzung an Unversitäten notwendig, die unter anderem das Rollenverständnis der Lehrenden, den Aufbau von Studienprogrammen, die Verteilung von Forschungs- und Lehrmitteln und die räumliche Ausgestaltung von Lernorten betreffen.

Der akademische dritte Raum wießt der Wissenschaft eine stärkere proaktive Rolle der bei der Transformation der Stadtenwicklung zu ökologisch nachhaltigeren und sozial gerechteren Handlungsmustern zu. Dabei geht es weder um die subversive Nutzung der wissenschaftlichen Lehre zur Durchsetzung normativer Ziele noch um ein wissenschaftlich-technokratisches Diktat, sondern um die Befähigung von Absolventen unterschiedlicher Disziplinen systemische Zusammenhänge am konkreten Beispiel wissenschaftlich zu bearbeiten. Erst die stärkere wissenschaftliche Zuwendung zu systemischen Themen wie der Stadtentwicklung erlaubt fundierte Abwägungsprozesse in der Gesellschaft.

A Model of Second and Third Space Learning in Higher Education
2020 ©️ Lukas Gilliard
Deutschsprachige Studiengänge im Bereich der Stadtentwicklung
2020 ©️ Lukas Gilliard
Wirkungszusammenhang zwischen Universitäten und Praxis in der Stadtentwicklung
2020 ©️ Lukas Gilliard