Säulenkurs 2020

Sophie Tscherny
Anna Sophie Richardt
Laura Betz
Dilan Vural
PublikationProfessur
Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege
Seminararbeit

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde die antike griechisch-römische Architektur als Vorbild für die jeweils „moderne“ Architekturströmung in Europa herangezogen. Die Architekturtheorie war seit der Renaissance bestimmt von der Auseinandersetzung mit den Schriften des Vitruv, dessen Lehren zunächst als verbindlich für gute Architektur galten, bald aber auch als widersprüchlich zu den tatsächlich (meist als Ruinen) erhaltenen Bauten der Antike kritisiert wurden. Das in Lehrbüchern und Studienreisen an den Architekturschulen vermittelte Wissen über antike Architektur prägte so das teilweise bis heute bestehende Bild europäischer Städte. In München ist der Königsplatz ein wichtiges Beispiel dieser Entwicklung. Ziel des Seminars ist ein vertieftes Verständnis „klassischer“ Architektur auf dem Wege eines eigenen Entwurfs.

Zu planen ist eine Kleinarchitektur (Gartenpavillon/Memorialbau) in einer der antiken Säulenordnungen im Münchner Luitpoldpark. Der Park wurde 1909-1911 im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Zentrales Element des Parks ist ein über 17 Meter hoher Obelisk zu Ehren des Prinzregenten Luitpold, der auf einer teilweise ummauerten Terrasse im Süden des Parks steht und zunächst von 90 Linden und 25 Eichen (entsprechend seinem Alter bzw. seiner Regierungsjahre) umgeben war. In den folgenden Jahrzehnten kamen zahlreiche Bäume und Pflanzen, das „Bamberger Haus“ sowie kleinere Monumente hinzu. Nach dem 2.Weltkrieg veränderte der sogenannte „Luitpoldhügel“ (ein Schutthügel aus kriegszerstörten Häusern) das Gesicht des Parks, Herzstück blieb aber weiterhin der Obelisk und eine nördlich davor liegende, langgestreckte und von geraden Wegen gesäumte Wiesenfläche. Vom Obelisken her verliert sich der Blick über die Wiese heute in einer Baumgruppe.
Der Pavillon soll als neuer Blickpunkt am Nordende dieser Wiese geplant werden, die damit – korrespondierend zum Obelisken – einen baulichen „Abschluss“ erhalten soll. Die Baufläche steht zudem in Blickbeziehung zum Bamberger Haus und ist von verschiedenen Seiten her zu sehen.
Der Bau soll dem Andenken der Gemahlin des Prinzregenten, Auguste Ferdinande dienen, die eine zentrale Rolle in seiner politischen Arbeit gespielt hat. Die (für diese Zeit ungewöhnlich) enge persönliche Beziehung der beiden Monarchen spiegelt sich darin wider, dass Luitpold nach ihrem frühen Tod nie mehr geheiratet hat. Insbesondere an der kulturellen Blüte Münchens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte die kunstsinnige florentinische Prinzessin damit einen wichtigen Anteil.

Vertiefende Bauforschung, Säulenkurs 2020
München, 2020 © Lehrstuhl für Baugeschichte, Historische Bauforschung und Denkmalpflege
Entwurf eines Memorialbaus
München, 2020 © Sophie Tscherny
Entwurf eines Memorialbaus
München, 2020 © Anna Sophie Richardt
Entwurf eines Memorialbaus
München, 2020 © Laura Betz
Entwurf eines Memorialbaus
München, 2020 © Dilan Vural