Bauen mit Lehm – Eine neue Schule für München

Professur
Städtische Architektur
Projektarbeit

Die vorliegende Projektarbeit zeigt den Entwurf eines neuen Gymnasiums für München an der Stelle der heutigen Ludwig-Thoma-Schule. Diese befindet sich im Stadtteil Berg am Laim. Früher dominierten den Ort die Landwirtschaft und, aufgrund des heute noch sehr lehmhaltigen Bodens, die Ziegeleien. Hier knüpft der Entwurf an und nimmt unter Verwendung des traditionellen Baustoffes Lehm Bezug auf die Historie des Stadtbezirks als ehemalige Ziegelfabrikhochburg. Der Neubau soll jedoch nicht nur architektonisch ein Pionier sein, sondern zeigt sich auch pädagogisch von einer ganz neuen Seite. Das bisherige Münchner Lernhauskonzept wird weiterentwickelt nach skandinavischem Vorbild. Neu organsierte Stundenpläne und Räume verankern die Schule vielschichtig im Alltag der Schüler und im kompletten Stadtgefüge.

Drei Baukörper mit Satteldach verknüpfen die sehr heterogene, hohe und großformatige Umgebungsbebauung mit der kleinteiligen Körnung im Südosten des Grundstücks. Der Schultag beginnt und endet für die ca. 650 Schüler in ihren sogenannten Bases. „Schule als Zuhause“ ist der Ansatz, der auch den Lerneffekt steigert. Das Hauptgebäude ist das Herzstück, in dem für die Öffentlichkeit zugängliche Funktionen wie die Cafeteria und die Bibliothek aber auch die verschiedenen Lern – und Lehrzonen verschmelzen. Während die Kubatur des Gebäudes mit dem bekannten Motiv des „Haus vom Nikolaus“ spielt, um den Kindern ein Gefühl von Heimat zu geben, setzt die Konstruktion aus Stampflehmwänden ein klares Zeichen. Gelernt wird wo und wie man will, interdisziplinär und projektbezogen, in Gruppen oder individuell. Das verspringende Atrium ist dabei Herz und Treffpunkt der verschiedenen Lerngruppen unterschiedlichen Alters.

Ein weiterer Kernaspekt des Entwurfs ist der bereits erwähnte, natürlich Baustoff Lehm (von vor Ort). Die Materialwahl erfordert sicher ein hohes Maß an Erfahrung, Handarbeit und Vorplanung, was sie heute oft noch kostspielig macht. Gleichzeitig ist Lehm aber eines der ältesten und intelligentesten Materialien, das wir kennen. Die Gewinnung aus dem Erdreich ist praktisch unerschöpflich und erfolgt ohne den Aufwand von grauer Energie. Die Puristik des Materials erzeugt zudem einen hohen Wohlfühlfaktor bei sehr guter Raumbelüftung sowie Raumakustik. Auch der Rückbau wird einst keine Probleme machen, da Lehm vollständig und mit wenig Aufwand recyclebar ist. Die neue Ludwig-Thoma-Schule wird folglich als Zeichensetzer vorangehen und den Weg ebnen für eine nachhaltigere Bauweise.
Im Idealfall ist sogar ein partizipativer Bauprozess möglich: Komm mit, wir stampfen unsere eigene Schule, unsere Zukunft!

Schule als öffentlicher Raum
Visualiesierung | Pausenhof
Schule als Bindeglied zwischen Stadt und Natur
Lageplan | Maßstab 1:1000
Schule als bewegtes Dorf
Grundriss EG | Maßstab 1:250
Schule als Ort der Begegnung
Visualisierung | Innenraum
Schule als Wegweiser
Schnitt | Konstruktion und Innenraum