grenzenlos und unverschämt

Professur
Bildende Kunst
Seminararbeit

„Das Leben in einem weißen Raum, alleine. Nicht unangenehm, aber unbewusst. Allein in einem Raum, in dem die Mehrheit anders aussieht als du. Nicht unsicher, aber verunsichert. Von außen. Othering. Ich bin da, und das ist gut so, aber gehöre ich hier wirklich hin. Andere sagen mir, ich bin von woanders aber ich kenne nichts anderes als meinen Raum.
Aussagen, die davor in Ordnung waren, weil Menschen einfach neugierig sind und ich nun mal anders bin. Niemand meint es ja böse. Diese Aussagen werden schmerzhafter. Weil mir klar wird, dass ich nicht anders bin. Sondern anders gemacht werde. Systematisch.
Darf ich mal anfassen? Als ich das erste Mal meine Haare in der Uni offen trage, kommt er mir entgegen, fragt entsetzt „Was ist denn mir dir passiert?“ und fängt an zu lachen.
Als ich kleiner war, habe ich meine Haare immer in zwei Zöpfen getragen. Offen wollte ich sie nicht tragen. Das war zu wild. Zu groß.

Performance.
Ruhig flechten wir unsere Haare auf dem Königsplatz. Eine Routine, die ich sonst nur in meinem eigenen Zimmer mache. In meinen eigenen vier Wänden. Klein. Privat. 1,5h.
Diesmal draußen. Öffentlich. 1,5h. Wir nehmen Platz ein. Taking up space.
Wir nehmen Platz ein, der nicht für uns gedacht war.
Die Leute wuseln um uns herum, beachten uns nicht oder schauen.
Wir sind da. Genauso wie es uns gefällt. Nicht zensiert. Nicht klein.
Wir sind da. Grenzenlos.
Schwarze Haare flechten auf dem Königsplatz. Unverschämt.
Und wir bleiben.“

©Batchati

grenzenlos und unverschämt
Video/Performance©Bachati
grenzenlos und unverschämt
Video/Performance©Bachati