Park des Anthropozäns

Gisela Reis
Professur
Landschaftsarchitektur und industrielle Landschaft
Projektarbeit

Der Erzberg, ein Berg in der österreichischen Region Steiermark, der seit über einem Jahrtausend als Eisenerzbergwerk dient, ist für uns ein reines Symbol des Anthropozäns. Im Zeitalter des menschlichen Einflusses ist es wichtig, das Bewusstsein zu schärfen und jedes Streben nach einem natürlichen Gleichgewicht zu fördern. Deshalb haben wir eine neue Art von Erholungsgebiet für Mensch und Umwelt geschaffen: Der Park des Anthropozäns.

Direkt neben dem laufenden Tagebau dient er als künstlerischer Rahmen für den beeindruckenden menschlichen Einfluss. Die Skulptur aus Beton und Eisenschlacke bietet vielfältige Einblicke und Ausblicke in das Bergbaugebiet und über den Schlammsee, das historische Zentrum von Eisenerz und den Berg Pfaffenstein, einen typischen – nicht überformten – Alpenberg. Besuchende sowie Einheimische können das Bauwerk erkunden, es für Fotos nutzen und den Abbau des Berges live mitverfolgen. Integrierte Bänke und Stege laden zum Verweilen ein und machen den rustikalen, historischen und industriellen Charakter des Ortes erlebbar. Die starke, kompromisslose Formensprache betont die Kontraste zwischen der umgebenden, eher romantischen Skyline und der künstlichen Topographie des für maximale Wirtschaftlichkeit strukturierten Geländes. Darüber hinaus dient es als Lösung für teerverunreinigte Eisenschlacke, die derzeit im Münichthal, nur einen halben Kilometer vom Planungsgebiet entfernt, gelagert wird. Dieses Tal befindet wird von einer Schlackenhalde dominiert, die im letzten Jahrhundert von der Eisenindustrie produziert wurde. Rund 15.000 Kubikmeter der gesamten 75 Meter hohen Halde sind verunreinigt und werden ohne langfristige Lösung gelagert, während sie das nahe Grundwasser verunreinigen. Deshalb wollen wir eine Infrastruktur aufbauen, die in der Lage ist, die Schlacke zu reinigen und der Umwelt einen Lebensraum mit hohem Biodiversitätspotential zurückzugeben. Durch Phytoremediation ist es möglich, die Schadstoffe (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Phenole) aus dem Boden zu extrahieren. Dazu wird die Schlacke in den großflächigen, verschlossenen Schüttgutboxen der Anlage gelagert und durch spezielle Pflanzen bearbeitet. Zusätzlich bietet die höhere Lage des Oswaldirückens einen größeren Abstand zum Grundwasser. Der Schwarze Nachtschatten (Solanum nigrum), die Luzerne (Medicago sativa), der Rohrschwingel (Festuca arundinaceae) und der Sellerie (Apium graveolens) sind in der Lage, die Schadstoffe aufzunehmen. Da sie diese in ihren Stängeln und Blättern speichern, müssen sie regelmäßig entfernt und kontrolliert in einem Pyrolyse-Ofen verbrannt werden. Ein in die Skulptur integriertes Forschungszentrum bietet Platz für diesen Ofen sowie für Personal, welches den Betrieb der Phytoremediation und ihre Möglichkeiten für die Zukunft pflegen, beobachten und untersuchen. Somit kann es für die praktische Bildung von Schülern, Studenten und an Umweltprozessen interessierten Personen genutzt werden.

Konzept
Grundprinzipien des Entwurfes - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis
Verortung und Blickbeziehungen
Planungsgebiet bei Eisenerz (AT) - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis
Lageplan
Gesamtentwurf - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis
Detailplan
Detailausschnitt mit Grundriss Forschungszentrum - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis
Perspektive Firstweg
Blick nach Süden - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis
Darstellung der Pflanzenauswahl
Aquarellzeichnungen der Phytoremediationspflanzen - Park des Anthropozäns © Hanstein & Reis