Zwischen Adagio und Vivace – Ein Haus für Musik

Professur
Entwerfen und Gestalten
Projektarbeit

Viele Gebäude werden noch immer ausschliesslich für aktuelle Zwecke errichtet, ohne an eine langlebige Zukunft zu denken. Die Lebenszeit dieser auf die Wirtschaftlichkeit reduzierten Gebäude ist dadurch viel zu kurz.

Begleitend zu dem Bestreben, in Zukunft hauptsächlich wiederverwendbare Materialien zu verwenden, ist die Zielsetzung meiner Arbeit, ein permanentes Gebäude zu entwickeln, welches seine Erstnutzung überdauert, und offen ist für eine uns allen unbekannte Zukunft. Auf der Suche nach Aspekten der Beständigkeit im Wandel der Zeit steht die Auseinandersetzung von Mensch und Raum im Zentrum meiner Arbeit.

Architektur formt uns, denn die räumliche Begrenzung hat einen Einfluss auf unser Gefühl und unser Verhalten. Diese Raumerfahrung, das womit eine Person konfrontiert wird und was sie fühlt wenn sie einen Raum betritt, ist im Wesentlichen bei allen Menschen identisch. Diese grundlegende Gemeinsamkeit beim Empfinden von Räumen ist für die Nachhaltigkeit von Gebäuden und in meiner Arbeit entscheidend. Die physische Umgebung bewahrt dann ihren Reiz, wenn ihr Rätselhaftes oder Geheimnisvolles innewohnt, dann entsteht ein Ausdruck von höchster Lebendigkeit.

Das Potential, welches ein architektonischer Raum für die Menschen birgt, möchte ich anhand des Beispiels einer Musikschule aufzeigen. Eine Nutzung, bei welcher der Klang genauso wichtig ist wie das Visuelle, lenkt die Aufmerksamkeit auf eine ganzheitliche Sinneswahrnehmung.
MusikerInnen spüren den Raum im Moment der Klangerzeugung intensiv. Die Raumbegrenzung macht das Klingen von Musik erst räumlich und somit auch zeitlich erlebbar. Nur dadurch, dass Böden, Wände und Decken die durch menschliche Klangerzeugung entstehende Energie reflektieren, bleibt diese uns nah. Es entsteht Nachhall und damit eine Klangverschmelzung.
Durch diesen zeitlich abschwächenden Nachhall wird der Raum selbst zum Instrument. Der Musizierende bringt den „gesamten Raum zum Klingen“, unabhängig von der Art der Tonerzeugung, daher ist für MusikerInnen das Bewusstsein über das Raumvolumen essenziell.

Durch bläulichen Beton, welcher dem Körper Wärme entzieht, schwere Vorhänge, die den Körper einhüllen, und weich gelagerte Holzböden in den Musikräumen im Wechsel mit harten Steinböden in den Fluren begegne ich unserem Bedürfnis nach sich ständig änderndem Austausch mit der Umgebung.

Was die Konstruktion trägt, wird nicht eindeutig ersichtlich. Das expressive Spiel mit der Tragstruktur adressiert unsere Wahrnehmung und unseren Verstand. Die durch die Verschiebung der Wände oder der geneigten Stützen erzeugte resonante Umgebung aktiviert unsere Sinne.
Gute Musik entsteht, wenn es den SpielerInnen gelingt, „Himmel“ in die Musik einzuschreiben. Hierbei kann die durch die Architektur erzeugte Lebendigkeit, welche sich dynamisch zwischen den Wänden ausdehnt, die MusikerInnen beeinflussen und Sie darin unterstützen, gute MusikerInnen zu werden.

Darüber hinaus birgt die angestrebte bewusstere Wahrnehmung das Potenzial Begeisterung in allen Menschen zu erzeugen. Dies kann die Wertschätzung für das Gebäude steigern, und somit einen nachhaltigen Umgang erzielen. Die Musik wird ihre Spuren hinterlassen und immer im Gebäude spürbar bleiben, aber das Gebäude ist bereit für viele weitere NutzerInnen und bietet die Chance für ein langes Leben.

Modellfoto
Innenraumbeziehung der Geschosse
Grundriss
Obergeschoss
Modellfoto
Innenraum eines Musikzimmers mit Blick in einen der Höfe
Schnitt
vertikale Blickbeziehungen
Modellfoto
Schnittmodell
Modellfoto
Erschliessungsraum im Erdgeschoss