Stadtteillabore – Ein Handlungs­leitfaden

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Urban Design
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In meiner Masterthesis, ‚Ein Stadtteillabor an der Trabrennbahn – Eine intermediäre Plattform für die nachhaltige Stadtentwicklung des Münchner Nordosten‘, die ich derzeit bearbeite, untersuche ich das Konzept des ‚Urban Living Labs‘, bzw. Stadtteillabors. Im ersten Teil meiner Arbeit, widme ich mich der Theorie und den ersten praktischen Erfahrungen dieser relativ jungen Urban-Living-Lab-Bewegung. Die gefundenen theoretischen und praktischen Ansätze verschiedener internationaler Stadtteillabore möchte ich in diesem illustrativen Handlungsleitfaden allgemein zusammenfassen und praktisch aufbereiten.

Darauf aufbauend, möchte ich im zweiten Teil meiner Arbeit ein Stadtteillaborgebäude sowie den dazugehörigen Stadtteillaborprozess für eine alternative Stadtteilentwicklung des Münchner Nordostens entwerfen.

Was ist ein Stadtteillabor?
Urban Living Labs, bzw. Stadtteillabore, sind unabhängige intermediäre Plattformen, die als Unterstützungsstrukturen verschiedene Ressourcen im Quartier bündeln, zusammenführen und neu verknüpfen können. Indem sie niederschwellig für jeden zugänglich sind und heterogene Gruppen in ihrem gemeinschaftlichen Arbeitsprozess moderieren und unterstützen, ermöglichen Stadtteillabore neue gleichberechtigte Kooperationsformen von Stadt und Zivilgesellschaft. Darüber hinaus wird in den Plattformen ein kontextueller Kompetenzpool geschaffen, der ein großes Leistungsspektrum in der Stadtentwicklung abrufen kann. Diese produktive Vernetzung von unterschiedlichen Kompetenzen, sozialem, ökonomischem und kulturellem Kapital innerhalb eines institutionellen Rahmens kann zudem den missing gap zwischen lokalen Initiativen und übergeordneten politischen Zielen und Regelungen überbrücken. In der Funktion des Katalysators kann das Stadtteillabor demnach experimentell entwickelte Methoden, wie z.B. urban-farming-Projekte, zu legislativen Antworten auf (klima-)politische Herausforderungen formulieren und in deren Wirksamkeit skalieren. Indem vor allem neue soziale Praktiken und Formen der Koproduktion sowie des Zusammenlebens in einem gemeinschaftlichen Prozess erprobt werden, sind Urban Living Labs oftmals Labore für soziale Innovation. Es entstehen also kontextbezogene Laborlandschaften, die die Effekte der globalen Transformationsprozesse in praktische Abläufe des Alltags übersetzen und dementsprechend als Labore für die alltägliche Stadt fungieren.

Dieser Handlungsleitfaden basiert auf den Erkenntnissen verschiedener internationaler Stadtteillaborprozesse und deren wissenschaftlicher Dokumentation und Aufbereitung. Darauf aufbauend soll diese Broschüre eine praktische Zusammenfassung der Vorteile und Herausforderungen sowie der einzelnen Arbeitsschritte von Stadtteillaborprozessen bieten und somit das Konzept der partizipativen Stadtentwicklung mithilfe von Stadtteillaboren unterstützen.

In der Slideshow wird zuerst das Konzept des Stadtteillabors grafisch dargestellt, daraufhin folgt eine illustrative Aufbereitung der Vorteile, Chancen und Herausforderungen durch ein Stadtteillabor und zum Schluss listet das letzte Bild noch einige hilfreiche weiterführende Quellen auf. Die einzelnen Entwicklungsphasen und Arbeitsschritte des Stadtteillaborprozesses sind in der beigefügten pdf-Datei zu finden.

Stadtteillabor_Titelbild
Vorteile und Chancen eines Stadtteillabors
München, 2020 © Tanja Gerum
Herausforderungen durch / an ein Stadtteillabor
München, 2020 © Tanja Gerum
Entwicklungsphasen eines Stadtteillabors (siehe pdf-Datei)
München, 2020 © Tanja Gerum
Einige Quellen und weiterführende Links
München, 2020 © Tanja Gerum