Sozialutopie

Professorship
Urban Architecture
project

Bis 2070 werden schon knapp 70% der Menschheit ihren Alltag in urbanen Agglomerationsräumen verbringen. Doch Wohnraum fehlt, besonders im Bereich des geförderten Wohnungsbaues. Die Nachkriegsjahre (1949-75) führten im Wohlfahrtsstaat Deutschland zu intensiver Objektförderung und dem Bau von 4,9 Mio. öffentlich geförderter Wohnungen. Einige dieser Bauten charakterisieren sich nicht nur durch eine hohe Zahl an gefördertem Wohnraum sondern auch durch eine bis heute hohe Bewohnerzufriedenheit. Der Entwurf basiert auf der Untersuchung der Typologie der Großwohnbauten der Nachkriegsjahre als Grundlage einer reproduzierbaren Architekturtypologie für das 21. Jahrhundert. Dabei wurden charakteristische strukturelle und konzeptionelle Merkmale an den aktuellen politischen, gesellschaftlichen und architektonischen Habitus angepasst.

Die angespannte Situation auf den Wohnungsmärkten, der enorme Mangel an bezahlbarem und gefördertem Wohnraum, die konsequent steigende soziale Spaltung, aber auch die starke Präsenz der Politik zum Thema der Wohnungsfrage verdeutlichen die Parallelen im Wohnraummangel der Nachkriegsjahre und aktuell.
Die Arbeit beschäftigt sich folglich mit der Frage, ob und wie die Typologie des Großwohnbaus aus den siebziger Jahren in das 21. Jahrhundert transformiert werden kann, um so eine Antwort auf die Wohnungsfrage zu geben. In einem ersten Schritt wurde hierbei ein Thesenkatalog aus den charakteristischen Merkmalen dieser Bauten aufgestellt, um die Typologie des Großwohnbaus der Nachkriegsjahre zu fassen um diese im nächsten Schritt auf das 21. Jahrhundert zu übertragen.
Im Sinne eines nachaltigen Städtebaus sowie zur Schaffung neuer, stadteigener Bauflächen bildet die Typologie Großwohnbau eine Synthese mit bestehender Infrastruktur und stellt dabei zeitgleich das Grundgerüst zur Umnutzung in einer autofreien Zukunft. Der Bedeutungszuwachs von Wissenschaft und Technologie in den vergangenen Jahren und das Wissen über die Zugangsmöglichkeit zu Informationskanälen sowie die Fähigkeit, die Fülle an Informationen zu filtern, bilden heute eine eigenständige Dimension sozialer Ungleichheit. Die Integration kollektiv und durch das Quartier eigenverantwortlich bespielbarer Kulturflächen soll im geförderten Wohnungsbau die Grundlage sozialer Gerechtigkeit und gleicher Zugangschancen zu städtischen Gütern bilden und wird gleichsam zum sichtbareren, verbindenden Element im Stadtraum.
Der in der theoretischen Ausarbeitung aufgestellte Thesenkatalog bildet das theoretische Grundgerüst für das architektoni- sche Konzept.
Die Typologie Großwohnbau wurde anschließend in einem ersten Schritt beispielhaft am mittleren Ring in München betrachtet. Ausgehend von fünf unterschiedlichen Orten entlang des Rings wurden verschiedene städtebaulichen Szenarien entwickelt. Das Szenario der Landshuter Allee zwischen Nymphenburger- und Leonrodstraße wurde als exemplarisches Entwurfsgebiet gewählt.

Die gesamte Arbeit kann hier eingesehen werden.

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Sozialutopie
München 2020, @ Lisa Häberle
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München 2020, @ Lisa Häberle
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München 2020, @ Lisa Häberle
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München 2020, @ Lisa Häberle
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München 2020, @ Lisa Häberle